[FBM16] Frankfurter Buchmesse 2016 und Minathon

Frankfurter Buchmesse 2016

Die Zeit rennt und schon sind es nur noch knapp 3 Wochen, bis die Frankfurter Buchmesse 2016 ihre Pforten für uns Buchverrückte, Buchliebhaber, Buchkinder, Buchmenschen, Buchsucher, Buchsammler, Buchblogger…. öffnet. Und zum ersten Mal seit zwei Jahren freue ich mich wieder darauf. Denn ich habe das Gefühl, wichtige Erfahrungen in den vergangenen Jahren gesammelt und nun meine Haltung zu der Messe gefunden zu haben. Eine Haltung zu haben ist für mich immer erleichternd. Sie ebnet mir den Weg in einen gelassenernen Umgang mit der jeweiligen Sache. Und so ist es auch mit der Messe. Ich habe für mich festhalten können, dass ein Hechten von Veranstaltung zu Veranstaltung genauso wenig förderlich für mich ist, wie Interviews zu führen oder Verlagstreffen zu besuchen. Dies alles bedeutet für mich Druck – auch vor und nach der Messe -. Aber ich bin und bleibe nun mal Leserin und Bloggerin. Das Buch ist nicht mein Beruf, sondern meine Leidenschaft. Ich will mich zu jeden Zeitpunkt frei und ungezwungen bewegen und äußern können.

Und so wird mein diesjähriger Messebesuch so ungeplant wie möglich. Lediglich am Freitag habe ich zwei Treffen mit Verlagen, auf die ich mich aber sehr freue.

Wer von Euch wird denn da sein? Vielleicht sind ja andere auch so zeitlich flexibel wie ich und wir können einen Kaffee oder Tee zusammentrinken und plaudern? Ich würde mich freuen!

Und nun noch rasch die Eckdaten zur Messe:

Frankfurter Buchmesse 2016
19. bis 23. Oktober 2016
Ich werde Mittwoch bis Freitag dort sein.
Ehrengast wird dieses Jahr Flandern und die Niederlande sein.

Minathon

Schon vor einigen Wochen fragte mich Lalapeja von Kathys Blog, ob ich dieses Jahr noch einen Minathon (Lesemarathon) durchführen möchte. Prinzipiell habe ich immer Lust und inzwischen auch wieder Zeit dafür. Hier stellt sich nun die Frage, wann ich diesen durchführen soll und habe überlegt, ob es Euch entgegen kommen würde, diesen über das Buchmesse-Wochenende durchzuführen. Für alle, die zu Hause bleiben mussten/ wollten quasi. Was meint Ihr? Wer wäre dabei?

Ganz liebe Grüße an Euch alle und einen schönen Start in den Leseherbst!
Mina

[Herbstprojekt 2016] Update #1

Draußen beginnen langsam die Blätter zu fallen und der Herbst verabschiedet sich. Es ist wie in jedem Jahr, wenn meine Lieblingsjahreszeit anbricht, schön und traurig zugleich. Besonders in diesem Jahr aber, hab ich durch private Umstände mehr Kummer als sonst erlebt und konnte den Sommer kaum wahrnehmen. Alles blieb liegen – der Garten, das Kochen und Einmachen, das Lesen und Bloggen. Rückblickend macht mich das noch immer traurig.

Aber wie die Jahreszeit im Wandel ist, so ist es auch das Leben. Und mit den bunten Blättern und dem Herbstwind kommt das Leben zurück, das ich schätze und liebe. Es wird wieder bunter, lebendiger. So verwundert es mich auch gar nicht, dass ich nicht nur endlich wieder koche, sondern auch wieder lese. Mit meinem Herbstprojekt 2016 komme ich bisher äußerst gut voran.

sturmDen Auftakt machte hierei „Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen“, was mich sehr überzeugen konnte. In meiner Rezension bin ich nur am Schwärmen, auch wenn ich nachträglich hervorheben muss, dass die Geschichte zwischen den beiden äußerst vorhersehbar war. Die Atmosphäre des Buches war jedoch einzigartig.

Danach las ich „Eine Liebe über dem Meer“ von Jessica Brockmole. Dieses Buch wollte ich so lange haben und der Anfang des Buches las sich vielversprechend: eine kleine, feine Liebesgeschichte, die nicht weltbewegend meisterhaft erzählt war, aber dennoch Lust machte, die Charakteren näher kennenzulernen. Allerdings verlor der Briefroman ab ca. der Hälfte ihren Reiz. Ich hatte den Eindruck, dass sie alles ständig wiederholt und die Probleme zwischen den Paaren äußerst konstruiert waren. Zudem wirkte der männliche Hauptcharakter auf mich wie ein Milchbub, der meint, eine Frau durch blinden Aktionismus beeindrucken zu können, was dummerweise sogar funktioniert. Sue wiederrum ist irgendwie spröde und dreht sich in ihren brieflichen Schilderungen immer wieder im Kreis.

Gillian Shields „Die Abtei von Wyldecliffe“ war ein netter, mystischer Zeitvertreib mit einer tragischen Liebesgeschichte. Sieht man mal davon ab, dass ich es immer wieder beeindruckend finde, dass sich in diese Young Adult-Romanen alle Figuren immer nach ca. 10 Seiten in einander verlieben, obwohl sie sich zuvor noch unausstehlich fanden, kommt man hier als Fan von Twilight oder auch Amy Plum auf seine Kosten. Gut gefallen hat mir der magische Einschlag, der jedoch in der aktiven Geschichte erst gegen Ende des Buches wirklich Raum einnimmt. Leider habe ich auch am Ende des Buches erst herausgefunden, dass „Die Abtei von Wyldcliffe“ eine vierbändige Reihe darstellt. Erst einmal werde ich sie aufgrund meiner HuB-Größe jedoch nicht weiterverfolgen.wyldecliffe

Nach so viel Liebesgeschichte, war mir zunächst nach einem Thriller und ich hoffte, in „Watch me“ von James Carol den passenden Stoff zu finden, konnte mich doch Band zu mitreißen. Leider wirkten schon in Band 2 der Reihe die prollig-selbstgefälligen Sprüche des Protagnoisten abgedroschen und unerträglich. Das Buch habe ich letztlich nur quer gelesen…

Und landete im Anschluss gleich wieder bei einer Liebesgeschichte (Fragt nicht warum! Normalerweise vertrage ich das in der Menge gar nicht!) – und da griff ich zu einem ganz klaren „Da weiß man, was man bekommt“-Buch von Nicolas Barreau: „Menu D’Amour“. Eine kurze Erzählung über einen verliebten Studenten, der letztlich die Frau seines Herzens mit einem Liebesmenü überzeugt. Das Menü und unzählige andere gibt es im zweiten Teil des Buches abgedruckt. Mich hätte man mit dem Menü nicht gewinnen können, da ich kein Lamm mag – doch die Geschichte fand ich süß. Seine anderen Geschichten geben allerdings mehr her. Und – ich werde nicht müde, zu betonen, dass der Preis von € 8,99 für eine kurze Erzählung in Großschrit und einer Menge Rezepte, die ich nie kochen werde, eine Frechheit vom Verlag ist. Ich habe das Buch als Remittente gekauft, sonst wäre es nie bei mir gelandet.menudamour

Soweit, so gut. Was ich als nächstes von der Liste lesen werde, steht noch nicht ganz fest. Wahrscheinlich wird es „The Girls“ von Emma Cline werden. Oder aber auch „S“. Das würde irgendwie derzeit zu meiner Lebenssituation ganz gut passen.

Was lest Ihr so? Wie waren Eure Monate August und Juli? Ihr könnt Eure Rückblicke auch gerne über die Kommentarfunktion verlinken.

[Rezension] Ulla Scheler – Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen

„Sonst meerweite Einsamkeit.“

Ich habe über das Buch ertmals durch Twitter und eine dortige Bloggerin erfahren. Vorher sagte mir der Roman gar nichts. Sie schrieb, ich weiß leider nicht mehr, wer es war, dass sie so zerschmettert sei, wegen der Geschichte zwischen Hanna und Ben. Dazu dann dieses unglaublich gelungene Cover, das einen in die Tiefe zu ziehen scheint. Also beschloss ich, dieses Buch ebenfalls zu lesen und zu rezensieren. Und was soll ich sagen!?! Ich habe in den vergangenen drei Monaten mit Sicherheit kein Buch so atemlos durchgelesen, wie dieses!

Klappentext.sturm

Ben ist seit Ewigkeiten Hannas bester Freund. Er ist anders. Wild, tollkühn, ein Graffiti-Künstler, ein Geschichtenerzähler. Und keiner versteht Hanna so wie er. Nach dem Abi packen die beiden Bens klappriges Auto voll und fahren zum Meer. An einen verwunschenen Strand, um den sich eine düstere Legende rankt. Sie erzählen sich Geschichten. Bauen Lagerfeuer. Kommen einander dort nahe wie nie zuvor. Und Hanna hofft, endlich hinter das Geheimnis zu kommen, das Ben oft so unberechenbar und verzweifelt werden lässt. Doch dann passiert etwas Schreckliches …

„Auch Umarmungen konnten ausleiern.“

Noch bevor ich mich in der Geschichte um die beiden Abiturienten Hanna und Ben verlor, verlor ich mich in der Sprache der noch so jungen Autorin. Ulla Scheler 1994 in Coburg geboren, hat ein großartiges Erzähltalent. Der angehenden Psychologin gelingt es, durch die mutige und durchdachte Kombination von Adjektiv und Substantiv, durch die teilweise poetische Neuschöpfung von Adjektiven eine ganz atemberaubende Sprache zu erschaffen, die genauso wie das Meer sein kann. Mal trägt sie, mal lässt uns in die Tiefe fallen, sie umhüllt uns, sie lässt uns frieren oder brennen. Alleine deswegen ist das Buch schon wirklich lesenwert.

Die Geschichte um Hanna und Ben könnte eine ganz alltägliche Freundschafts- oder Liebesgeschichte zwischen zwei jungen Erwachsenen sein, wäre da nicht diese düstere, angstvolle Atmosphäre, die Ben umgibt. Bens Persönlichkeit ist äußerst komplex und die Art, wie er dargestellt wird und was in meiner Phantasie angeregt wurde, wie sein Leben wohl vor diesem gemeinsamen Sommer mit Hanna am Meer ausgesehen haben musste, fand ich gruseliger und bedrohlicher als die dunkle Sage über das Meer, die eine tragende Rolle in dem Roman spielt. Und dennoch ist diese Saga umwerfend. Ich habe sie mehrmals gelesen, sogar laut – weil ich sie so ergreifend fand.

Von der Stimmung hat mich dieser Roman an Benjamin Leberts „Mitternachtsweg“ oder an Katharina Hartwells „Der Dieb in der Nacht“ erinnert. Die Story an sich ist eine gute Jugendbuch-Geschichte, in der es darum geht, wie zwei Jugendliche an einem Übergangspunkt in ihrem Leben damit konfrontiert sind, ob sie Angst vor dem Leben haben oder inwieweit sie sich Konventionen beugen möchten und wie radikal manchmal das Leben sich verändern muss, damit man sich von alten Lasten befreien kann und in einen nächsten Lebensabschnitt findet.

Das Buch erschien bei heyne>fliegt im Paperback für €14,99 und kostet als eBook € 9,99.

„Tränen rannen seine Wangen hinunter, und ich wollte ihn auffangen, aber er war noch im Fallen, er fiel so schnell und in so vielen Teilen, dass ich ihn nur umarmen konnte, ohne ihn im Mindesten zu berühren.“

[Rezension] Delphine de Vigan – Nach einer wahren Geschichte

Dieses Werk, mein erstes von der Autorin Delphine de Vigan, hat mich beim Lesen gegruselt und verstört zurückgelassen.

delphineKlappentext.

Zwei Frauen lernen sich auf einer Party kennen. Die zurückhaltende Delphine, die sich mit fremden Menschen meist sehr schwer tut, ist sofort fasziniert von der klugen und eleganten L., die als Ghostwriter arbeitet. Aus gelegentlichen
Treffen werden regelmäßige, man erzählt einander das eigene Leben, spricht über Familie und Freunde, vor allem über Freundinnen. Und natürlich über Bücher und Filme, die man liebt und bewundert. Delphine ist glücklich über die Gemeinsamkeiten und fühlt sich verstanden wie schon lange nicht mehr. Ganz entgegen ihrer Gewohnheit gibt sie in einem Gespräch über das Schreiben die Idee für ihr nächstes Buch preis. L. reagiert enttäuscht: Wie nur könne Delphine ihre Zeit auf eine erfundene Geschichte verschwenden? Eine Autorin ihres Formats müsse sich der Wahrheit verschreiben. Delphine ist entsetzt. L.s leidenschaftlich vorgetragene Forderung löst eine tiefe Verunsicherung in ihr aus. Bald kann sie weder Papier noch Stift in die Hand nehmen. L. scheint völlig unglücklich über das zu sein, was sie in der Freundin ausgelöst hat. Selbstlos übernimmt sie die Beantwortung von E-Mails, das Absagen von Lesungen und Interviews, das Vertrösten des Verlags, der auf einen neuen Roman wartet. Und all das in Delphines Namen. Keiner weiß davon, keiner kennt L., und so ist Delphine allein, als sie feststellt, dass L. ihr immer ähnlicher wird …

Nachdem ich die Geschichte um Delphine und ihre Freundin L. begonnen hatte, wurde ich rasch in einen Sog aus Verwirrung und ästhetischem Grusel gezogen. Ich war ständig damit konfrontiert, wieder nicht zu wissen, um was es geht. Jedes Mal, wenn ich dachte, so langsam würde ich hinter das Spiel blicken, welches L. mit Delphine zu spielen scheint, gab es eine Wendung, die mich verunsicherte. L. drang immer weiter in Delphines Leben ein und wurde ihr, wie oben erwähnt, immer ähnlicher. Das war der Punkt, wo für mich zu der Verwirrung auch der Grusel hinzukam. Ganz unbelastet bin ich diesbezüglich allerdings nicht, gab es mal eine Person in meinem Leben, die in der Freundschaft begann, die Grenzen der Invidualität zu verwischen und sich immer mehr mit mir zu identifizieren. Die Geschichte zwischen Delphine und L. weckte hier gut verpackte Erinnerungen…

Besonders ansprechend fand ich diese Mischung aus Verwirrung und Grusel, da es mir das Leseerlebnis zu einem durchaus körperlich spürbaren machte. Ich war angespannt, schreckhaft und träumte nachts von der Geschichte.

Der Schluss des Buches hat mich rätselnd zurück gelassen. In mir tauchte das Gefühl auf, etwas übersehen zu haben, eine wichtige Information schon sehr weit am Anfang der Geschichte überlesen zu haben. Dies machte es jedoch zu einem noch besseren Buch für mich! Ich dachte noch lange über das Buch, die Geschichte, die möglichen autobiographischen Anteile nach. Ich bin mir fast sicher, eine Antwort auf meine abschließende Frage gefunden zu haben, nachdem ich auch ein wenig über Delphine de Vigans vorherigen Bücher erfahren hatte.

Nachdem ich das Buch beendet hatte, habe ich mich gefragt, wem ich diesen Roman wohl empfehlen würde. Meine Wahl fiel auf Leserinnen und Leser, denen das Buch „Das Haus der Stummen“ von John Burnside zu gefallen wusste, einfach weil es mich ähnlich verstörte. Aber auch Lese-Freunde von Thea Dorns aktuellstem Werk „Die Unglückseligen“ könnte der neue Roman von Delphine de Vigan gefallen.

Der Roman erschien 2016 im Dumont Verlag. Aus dem französischen übersetzt wurde er von Doris Heinemann. Der dreihundertfünfzigseitige Roman kostet in der gebundenen Ausgabe € 23,00, als ebook-Ausgabe € 18,99. Das Hörbuch erscheint für € 22.99 zeitgleich bei Random House Audio, gelesen von Martina Gedeck.

Verfilmt soll „Nach einer wahren Geschichte“ auch werden – und zwar von Roman Polanski. Das Drehbuch wird Olivier Assayas schreiben. Im Oktober starten die Dreharbeiten.

Wer noch darüber schrieb:

Die Buchbloggerin

Das Kulturradio vom rbb

[Hobbitküche] Svenja Jelen – Gastrosexuell – Männer, die fürs Kochen brennen

Als ich schon den Titel las, musste ich schmunzeln. „Gastrosexuell – Männer, die fürs Kochen brennen“ – ich musste sofort an einen sehr kochbegeisterten Mann aus meiner Familie denken. Er könnte sofort auch in dieses Buch aufgenommen werden. Denn er ist ebenso gastrosexuell, wie es die Männer sind, die von Svenja Jelen in ihrem Kochbuch vorgestellt werden. Zur Erklärung: gastrosexuelle Männer sind Männer, die mit großer Leidenschaft und Hingabe nach Feierabend oder am Wochenende in der Küche stehen und für sich, ihre Familie und ihre Freunde kochen. Sie gehen gerne Lebensmittel einkaufen, um diese dann teils sehr aufwendig zu verarbeiten. Sprich, sie kochen letztlich privat auf Gastroniveau.

In dem vorliegenden Buch werden nicht nur die Kochrezepte vorgestellt, sondern auch die Männer hinter den Kochrezpeten poträtiert. Die Idee hat mir gut gefallen. Und sie ist auch gelungen. gastrosexuellJede einzelen Vorstellung ist interessant, die Personen hinter den Rezepten individuell und kreativ. Das Buch startet übrigens mit einem sehr kurzweiligen Vorwort von Denis Scheck. Unter anderem äußert dieser dort:  „Gastrosexuelle sind konvertierte Astrosexuelle [Anm. d. V.: damit sind die Männer gemeint, die früher davon träumten Astronaut zu werden, und dass das höchste der Gefühle war], denen auf dem Weg zur Arbeit in der Straßenbahn irgendwann dämmerte, dass es mit dem Job bei der NASA vermutlich nichts mehr wird.“

Wie immer, wenn ich ein Kochbuch vorstelle, habe ich Rezepte daraus zunächst getestet. Hier kam es allerdings zu ersten Problemen: dieses Buch bedient das Klischee, dass Männer vor allem eines gerne Essen: FLEISCH. Es gab zwar vegetarische Vor- und Nachspeisen und ich glaube, zwei vegetarische Hauptgänge (zweimal Risotto), doch ansonsten strotzt diese Buch von totem Tier. Und dann noch teilweise schwer zu bekommendem Tier. Mein nächstes Problem war dann: ich wollte sehr gerne ein Fleischgericht ausprobieren, doch es war mir einfach in den letzten vierzehn Tagen zu warm, als dass ich Lust gehabt hätte, diese doch recht aufwendigen Rezepte nachzukochen.

Also entschied ich mich für zwei Suppen und einen Drink mit Gin.
Die Hommade Lemonade mit Gin war allerdings überhaupt nicht mein Fall. Dabei habe ich stets einen oder mehrere gute Gin im Haus, da ich sehr gerne einen Gin Tonic trinke. Die getestete frische Tomatensuppe mit Cheddar-Worcester-Baguette hingegen hat mir gut gefallen. Sie war schlicht, was das Baguette gut zur Geltung brachte. Außerdem testete ich noch die Süßkartoffelsuppe mit Chili. Diese fand ich okay, aber nicht so überragend, wie ich es mir erhofft hätte. Sobald ich mal wieder Lust auf Fleisch habe und das Wetter kühler ist, möchte ich auf jeden Fall noch die beiden Rezepte von Matthias ausprobieren: Rinderroulade deluxe in Rotweinsoße mit Kirsch-Rotkohl als Hauptgang und zum Dessert Malheur au Chocolat mit Kumquat-Sirup und Salz-Karamellsoße. Ich liebe Salz-Karamellsoße und ich liebe Rouladen. Mhmmmm…

Übrigens wurde für dieses Kochbuch von jedem Mann ein Menü zusammengestellt aus Vor-, Haupt- und Nachspeise. Die meisten davon sind wirklich recht aufwendig, wie ich finde. Für einen Kochanfänger ist das Kochbuch eher weniger geeignet. Denn wie oben schon erwähnt – hier wird auf Gastroniveau gekocht. Ich sage damit nicht, dass ein Kochanfänger nicht auf Gastroniveau kochen kann. Aber ich kenne es aus meiner Erfahrung, dass das Timing ab einem gewissen Zeitpunkt beim Kochen immer wichtiger wird. Und wenn man dann ungeübt ist, bringen einen vier Töpfe auf dem Herd, der Stabmixer in der Hand und die Törtchen im Ofen durchaus zur Verzweiflung (hier sei der Film oder das Buch „Julie & Julia“ empfohlen).

Zu Beginn des Buches gibt es einen Überblick über einge Kochutensilien und am Ende eine Auflistung von Einkaufsmöglichkeiten nach Postleitzahl. Ich kann nur die Angaben für meinen Postleitzahlenbereich beurteilen und da hätte ich mir doch eine sorgfältigere Auswahl gewünscht, sie wirkt auf mich willkürlich und nicht nachvollziehbar.

Nun möchte ich noch einmal zusammenfassend kundtun, dass mir das Buch insgesamt gut gefallen hat. Meine Kritikpunkte sind keine harten Kritikpunkte, da ich mir diese schon von vor dem Erhalt des Buches hätte notieren können, denn sie liegen in der Natur der Sache.

Anders formuliert: Männer, die gerne ausgefallen fleischreich kochen und den Aufwand in der Küche nicht scheuen; die es lieben, auch ein wenig mehr als ein Kochbuch in der Hand zu haben und Spaß an neuen Ideen und ausgefallenen Gastrorezepten für zu Hause (Sousvide Garen, Wachtel, Txogitxu Fleisch…) finden – für diese Jungs ist diese Buch gemacht!

 

Es ist im Delius Klasing Verlag erschienen und kostet im Flexicover € 19,90 und als eBook € 15,99.

 

[Rezension] J. L. Carr – Ein Monat auf dem Land

Alleine das Cover ist schon ein ganz besonderes – ein vogelähnliches Blatt deutet für mich direkt auf eine tiefgreifendere Geschichte hin, die mich berühren möchte. Und so war es auch!

Ich war hoch erfreut, als ich feststellen durfte, dass diese Geschichte von J. L. Carr nun ins Deutsche übersetzt wurde und ab sofort im Handel erhältlich ist.

ein monat auf dem landDieses Buch ist so wunderschön leise und gleichzeitig so erfrischend lebendig, birgt eine wehmütige Melancholie und hat mich mitten ins Herz getroffen.

Der Protagonist Tom Birkin hat den Ersten Weltkrieg miterlebt und kehrt nach seiner Zeit als Soldat nach Hause. Er leidet unter einer nervösen Störung und allem Anschein nach unter einer Art Sprachfehler, was mir aber nicht so ganz klar wurde. Unter seinen psychischen Belastungen zerbricht seine Ehe und er reist als Restaurator aufs Land. Hier beginnt das Buch. Wir begleiten Tom bei seinem Arbeitsantritt in einer alten Kirche, in der er Deckengemälde für einen Hungerlohn instandsetzen soll. In der gleichen Kirche bezieht er in Turm ein zugiges, undichtes Zimmer. Aber er ist zufrieden, genießt die Abgeschiedenheit und Ruhe.

Doch die Einwohner des kleines Dorfes beginnen sich rasch für ihn zu interessieren und statten ihm Besuche ab, laden ihn zum Tee ein. Tom bewegt sich dabei ganz vorsichtig zwischen Flashbacks aus den Kriegsjahren, die er bei der Rekonstruktion des Freskos innerlich selbst aufarbeitet und dem Weiterschreiten in die Zukunft, die vor ihm liegt.

Wunderbar gelungen. An keiner Stelle kitschig. Absolut lesenwert!

Erschienen ist der Roman im Dumont Verlag. In der Übersetzung aus dem Englischen von Monika Köpfer kostet dieses wunderschön eingebundene Buch € 18,00, als eBook ist es für € 13,99 erhältlich.

[Rezension] Cassandra Clare – Lady Midnight

 

Als ich mir dieses Hörbuch besorgte, wusste ich bereits, dass es sich hierbei um die Vorsetzung der „Chroniken der Unterwelt“-Reihe von Cassandra Clarke handelte. Diese Reihe habe ich jedoch nie gelesen. Ich habe es zweimal versucht und konnte mich dafür nicht begeistern. Dennoch sprach mich diese neue Reihe „Die dunklen Mächte“ der Autorin an. Und da ich auf Youtube eine Rezension sah, in der gesagt wurde, dass man nicht unbedingt die Vorgänger-Reihe gelesen haben muss, dachte ich mir, ich versuche es einfach mal damit. Und ich wurde nicht enttäuscht!

 

lady midnightKlappentext
Niemals wird sie den Tag vergessen, an dem ihre Eltern starben. Die 17-jährige Emma Carstairs war noch ein Kind, als sie damals ermordet wurden, und es herrschte Krieg. Die Wesen der Unterwelt kämpften bis aufs Blut gegeneinander, und die Schattenjäger, die Erzfeinde der Dämonen, wurden fast völlig ausgelöscht. Aber Emma glaubt bis heute nicht, dass ihre Eltern Opfer dieses dunklen Krieges wurden, sondern dass sie aus einem anderen rätselhaften Grund sterben mussten. Inzwischen sind fünf Jahre vergangen, und Emma hat Zuflucht im Institut der Schattenjäger in Los Angeles gefunden. Eine mysteriöse Mordserie sorgt für große Unruhe in der Unterwelt. Immer wieder werden Leichen gefunden, übersät mit alten Schriftzeichen, ähnliche Zeichen wie sie auch auf den Körpern von Emmas Eltern entdeckt worden waren. Emma muss dieser Spur nachgehen, selbst wenn sie dafür ihren engsten Vertrauten und Seelenverwandten Julian Blackthorn in große Gefahr bringt …

Diese Geschichte hat ziemlich viel Personal. Das fiel mir direkt zu Beginn des Hörbuches auf, denn ich brauchte eine Weile, um der Geschichte folgen und um mir die Namen aller merken zu können. Doch nach etwa einer Dreiviertelstunde war ich ganz im Bann dieses Romans.

Besonders gut gefiel mir die Ausarbeitung der Charakteren. Oftmals kommt diese in Jugend-Fantasy/Dystopien meines Erachtens zu kurz. Aber hier hat Cassandra Clare ein gutes Maß gefunden. Nicht zu umfangreich, aber auch keineswegs oberflächlich werden die einzelnen Figuren eingeführt und entwickeln sich im Rahmen der Geschichte weiter. Was mir ebenfalls daran gut gefiel, ist, dass es ihr gelungen ist, die Figuren in ihrem Handeln innehalten und reflektieren zu lassen. In zwischenmenschenlichen Problemkonstellationen agieren die Jugendlichen nicht kopflos miteinander, sondern spüren auch innerlich ihren Ängsten und Hemmungen nach, was der Leser/ Hörer begleiten darf. Das hat mir wirklich sehr gefallen.

Am meisten angetan bin ich von der Figur Mark Blackthorns, der auf emotionaler Ebene unheimlich komplex ist. Er wurde als Kind entführt und wuchs bei den Elben auf. Als er zurückkehrt, ist er hin- und hergerissen zwischen seinen beiden Leben und auch zwischen zwei Lieben. Dabei wird die Geschichte um ihn nie kitschig oder unglaubwürdig. Sie ist berührend und hat mich wiederholt sehr nachdenklich hinterlassen.

Die Geschichte selbst war auch spannend und hatte gutes Maß an Tempowechsel. Allerdings muss ich gestehen, dass ich soviel mit den Beziehungen in der Geschichte beschäftigt war, dass ich teilweise nicht ganz dem Handlungsstrang folgen konnte. Mir ist bisher auch noch nicht klar geworden, warum das Buch „Lady Midnight“ heißt. Irgendwie habe ich diese Passage wohl beim Hören verpasst. Lächel. Dies tat aber der Geschichte keinen Abbruch. Ich vermute, dass sich der Titel auf die Hauptfigur Emma Carstairs bezieht, die als Schattenjägerin eine Lady Midnight sein könnte?!?

Äußerst interessant fand ich den sogenannten Parabatai-Bund, den zwei Krieger miteinander eingehen können. Von da an sind sie magisch verbunden, kämpfen miteinander, spüren die Verletzung und das Leid des anderen und würden sogar für einander in den Tod gehen. Unsere beide Hauptcharaktere in „Lady Midnight“ – Emma Carstairs und Julian Blackthorn – sind ein solches Parabatei-Paar.

Der Showdown am Ende des erstes Bandes fesselte mich, und dass dieser auch abgehandelt wurde und das Buch nicht mit einem fiesen Cliffhanger endete, sprach ebenfalls für sich. Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Band der geplanten Trilogie.

Gelesen wird das Hörbuch übrigens von Simon Jäger! Alleine dieser Umstand ist eigentlich Grund genug, es zu hören. Wenn Simon Jäger liest, weiß man, was man bekommt. Als Synchronsprecher besetzt er zur Zeit zum Beispiel Matt Damon oder Josh Hartnett, aus Hörbüchern ist er mir vor allem durch seine Thriller-Lesungen der Romane von Sebastian Fitzek und John Katzenbach ein Begriff.

Übersetzt wurde der Roman von Franca Fritz und Heinrich Koop, die mir bisher als Übersetzer noch nicht weiter begegnet sind.

Inzwischen gibt es eine Fan-Seite für „Die dunklen Mächte“. Dort finden sich neben dem Making of zum oben eingebetteten Video auch ein aufschlussreiches Interview mit der Autorin sowie Hintergrundbilder für den PC oder das Smartphone und eine XXL-Leseprobe.

Der Roman erschien im Goldmann-Verlag als gebundenes Buch für € 19,99, als ebook für € 14,99. Die Übersetzung aus dem Amerikanischen stammt wie erwähnt von Franca Fritz und Heinrich Koop. Das von Simon Jäger eingelesene Hörbuch ist bei Der Hörverlag erschienen. Die gekürzte Fassung des Romans wird auf zwei mp3-CDs für € 19,99 angeboten und dauert etwas über 23 Stunden. Als Download gibt es auch die Gesamtlesung mit über 28 Stunden Hörzeit für € 39,95.