Gestern Abend las ich im aktuellen Zeit Magazin. Neben der immer netten Kolumne Martensteins übers Sitzenbleiben, haben mich das Interview mit Marina Weisband und das Gespräch zwischen Stefan Klein, Biophysiker, und Detlev Ganten, FA für Pharmakologie und Molekulare Medizin, zum Thema Die Evolution ging ins Auge angesprochen.

Marina Weisband hat ein Buch geschrieben. Es erscheint am 14.03. unter dem Titel Wir nennen es Politik. Im Interview selbst geht es wenig um das Buch, auch wenig um andere Dinge. Es ist wie so oft bei den Piraten: Es geht um Alles und Nichts; Themen wurden angerissen, nicht zu Ende besprochen, nicht zu Ende gedacht. So haben wir beim Lesen des Interviews erfahren, worum es in etwa in dem Buch der Piratin geht. Nämlich um Politik (und ich bin mir nach dem Lesen des Interviews nicht einmal sicher, ob es wirklich so sein wird oder ob es nicht eher um Marina Weisband geht, die etwas und doch nichts über sich erzählt). Wir haben auch erfahren, dass sie auf einen Teil ihres Geldes verzichtet hat, um zu gewährleisten, dass es keinen Kopierschutz für das ebook geben wird. Genaueres dürfen wir aber auch hier nicht erfahren… Und wir haben erfahren, dass Marina Weisband ein Tschernobyl-Kind ist und wohl schwer krank, was sie zum Rückzug aus der Piraterie zwang, aber genaues dürfen wir nicht wissen. Das ganze Interview war gespickt von Andeutungen, ohne dass man erwarten darf, darauf irgendwann mal eine Antwort zu erhalten.
Ich finde es sehr schade, dass Marina Weisband so schwammig (geworden) ist. Als sie damals im Rahmen der Partei auftrat, war ich sehr interessiert an der jungen Psychologie-Studentin, die allem Anschein nach etwas zu sagen hatte. Jetzt ist sie für mich nur ein etwas hysterisch anmutendes Mädchen, das mit ihrer Krankheit bei Twitter und in Interviews kokettiert. Dennoch bleibt sie gerade so ein stimmiges Symbol für ihre Partei…

Die Evolution ging ins Auge griff m. E. teils auch etwas zu kurz. Über das ganze Interview hinweg wurde mir zudem nicht deutlich, warum die Fotoserie dazu ständig das Auge abbildete. Wenn das jemandem klar wurde, bin ich offen für Anregungen.

Gut fand ich die Aussage: „Nicht die beste Lösung setzt sich [in der Evolution] durch, sondern die am wenigsten schlechte.“ Womit auch unser zu schmales Becken und unser sehr großes Gehirn gemeint sind, was ich stimmig fand.

Nicht wirklich durchdacht fand ich an dieser Stelle jedoch die Aussage über den Umgang mit den Forschungsgeldern in Deutschland. Hier wurde angesprochen, dass mehr als fünf Milliarden Euro jährlich allein in Deutschland in die med. Forschung gesteckt würden. Das klingt bei der Formulierung, als sei das eine Menge Geld. Die Realität zeigt aber, und die forschenden Kollegen werden dies unterschreiben, dass dieses Geld viel zu wenig ist. Herr Klein regt an, dieses Geld zu nehmen und es in Kindergärten und Co zu stecken, um somit gesündere Menschen durch bessere Bildung zu erlangen. Nun, löblicher Ansatz – aber bitte nicht die wenigen deutschen Forschungsgelder auch noch anderen geben!

In der Tat gibt die DFG im Jahr ca. 5 Millionen an Forschungsgeldern raus. Vergleicht man das mit dem Stiftungsvermögen einer US-amerikanischen Universität wie der Boston University (919 Millionen US-Dollar) wird einem die Lächerlichkeit dieser Summe bewusst. Konkret bedeuten 5 Millionen – wenig medizinische, aber hochwertige Forschung auf dem Rücken weniger Experten, wenig Nachwuchsförderung. Wir bleiben hinter unseren Fähigkeiten zurück, weil wir die Mittel nicht haben.