Ich habe nun schon länger nicht mehr gebloggt, obwohl ich einiges im Mai gelesen habe und es ja durchaus eine Reihe Bücher und Themen gibt, die schon länger auf Bearbeitung warten, für die ich aber bisher keine Zeit fand. Der Mai ist einfach so durchgeeilt. Und bevor er nun ganz vorbei ist und ich nächstes Wochenende die Festival-Saison für mich eröffnen möchte und wieder nicht zum Bloggen komme, möchte ich nun rasch den Abend nutzen.

Mir ist etwas geschehen. Zum Geburtstag, Mitte Mai, bekam ich ein Buch geschenkt: „Howards End is on the Landing“. Das hat ein Thema aufgegriffen, das mich schon länger beschäftigt und dem ich mich nun noch einmal mehr und näher annehmen mag: den Abbau der großen Bergen an ungelesener Bücher (SUB), den mein Sammlerherz angehäuft hat, ohne dass mein Leserherz je die Zeit gefunden hätte, diese alle zu lesen. Und erschreckender Weise stelle ich beim Durchsehen meiner Bibliothek fest, dass sie Bücher enthält, die mich nun nicht mehr ansprechen. Schwierig. Also – ich werde sie nun annehmen – die große Herausforderung meiner Bibliothek und werde meine ungelesenen Bücher lesen und die, die mir direkt nicht mehr zusagen, aussortieren. Ab Juni habe ich Buchkaufverbot (abgesehen von wenigen Ausnahmen, die mit Leserunden zusammenhängen, an denen ich Teil nehme und für die ich Bücher kaufen muss).

Ich bin sehr gespannt, wie es laufen wird.

Vielleicht anbei noch eine kurze Rezension zu dem Werk „Howards End ist on the Landing – A year of reading from home“:
Susan Hill, eigentlich Autorin von bekannten Thrillern, wenn ich mich nicht irre, sucht eines Tage in irgendeinem Zusammenhang ein Buch. Doch statt dieses Buch zu finden, stolpert sie immer mehr über vergessene, ungelesene Bücher. Sie berichtet über die Bücher, die sie auf der Such nach Howards End findet und reflektiert darüber, was es mit ihnen auf sich hat, warum sie sie nie gelesen hat oder erzählt Erinnerungen aus ihrem Leben, die damit zusammenhängen. Manchmal erzählt sie auch von den Autoren der Bücher oder stellt fest, dass sie Jane Austen einfach langweilig findet.

Interessant fand ich auch, dass sie das Bloggen aufgreift und etwas kritisch bemerkt, was ich selbst tue: das dokumentieren des Viellesens. Sie stellt in Frage, ob dies nötig ist und ob man eine Art Wettbewerb aus dem Lesen macht, anstatt Bücher zu genießen. Nun. Ich kann das nur für mich beantworten, ich bin in der Tat ein Schnelleser. Das bedeutet aber in keiner Weise, dass ich Bücher nicht genieße. Im Gegenteil, sind Bücher sowas wie Seelenheil und Weltfriede für mich, in die ich mich zurückziehen kann, wenn ich es brauche. Bücher sind für mich wie Gartenarbeit. Sie bringen mich mit mir selbst in Kontakt.
An anderer Stelle aber schreibt sie darüber, dass wir Bücher in den Regalen vergessen und ständig neue „Bestseller“ oder neue Nominierungen kaufen und denen den Vorzug geben. Und sie wirft die Frage auf, ob nicht andere und ältere Bücher genauso gut sein können. Ob sie nicht auch wertvoll genug sind, sie zu lesen, ohne das gerade die ganze Leserschaft darüber diskutiert. Und da muss ich sagen, hat sie einen Nerv getroffen. Ich habe sicherlich einige Schätze hier im Regal, die darauf warten, entdeckt und geschätzt zu werden und denen werde ich nun eine Chance geben.

Meine erste Wahl fällt heute spontan auf:
„Wahnsinn, der das Herz zerfrisst“ von Tanja Kinkel.
Es ist somit das Buch 1/360.