Buchversammlung · Weltbücher

James M. Barrie – Peter Pan

Als die Wahl in unserer Klassiker-Leserunde im Februar auf Peter Pan fiel, war ich erfreut. Mich begleitet Peter Pan schon einen Großteil meines Lebens. Als Kind mochte ich die Walt Disney-Verfilmung, später dann auch bedingt die Verfilmung „Hook“. In meiner Jugend gab es eine Zeit, in der einer meiner engsten Freunde und ich ständig mit dem Mythos Peter Pans spielten. Wir erschufen uns fast eine eigene Welt, in der wir kreisten, tanzten und Geschichten erfanden. Bevor wir ins Wochenende starteten fingen wir an zu Krähen und wir wollten Piraten werden (er ist heute wirklich einer geworden, wenn auch eher im Politischen Bereich.). Damals erschien eine neue Spielfilmversion von Peter Pan, die ich nur empfehlen kann. Sie ist ganz zauberhaft gemacht. In dieser Zeit als ich erstmals das Buch Peter and Wendy. Es war nun ein besonderes Vergnügen, noch einmal nach Nimmerland zurückzukehren. Ich entschied mich für die Hörbuchfassung, gelesen von Jens Wawrczeck. Vorab muss ich sagen, dass Jens Wawrczeck die Geschichte einfach unglaublich entzückend vorgelesen hat. Ich kann sie nur jedem ans Herz legen!

Zum Hintergund der Geschichte Peter Pans, speziell von James M. Barrie, lässt sich festhalten, dass es sich ursprünglich gar nicht um ein eigenständiges Werk handelte. Vielmehr war Peter Teil eines anderen Stücks Barries, das dann jedoch als Solotheaterstück aufgeführt wurde, woraufhin Barrie die Geschichte noch einmal aufgriff und über Peter und Wendy ausführlicher schrieb. Vorbilder für die Kinder, die im Buch vorkommen waren die Kindern von Freunden.

Der 1890 geborene Schotte Barrie erzählt die Geschichte der dreier Kinder – Wendy, John und Michael Darling – die nachts von Peter Pan besucht und bei einem der nächtlichen Besuche, als die Eltern außer Haus sind, mit nach Nimmerland genommen werden. Nana, der Kindermädchenhund, kann das leider nicht verhindern und es bleibt der armen Nana nichts anderes übrig, als ihr Herrchen und ihr Frauchen nachhause zu holen. Diese finden jedoch nur noch verwaiste Betten vor.
Während die Eltern trauern und nach ihren verschwundenen Kindern suchen, beginnt für diese das Abenteuer ihres jungen Lebens. Sie fliegen mit Glöckchen, der Fee, und Peter, der stets so ablenkbar und mit sich selbst beschäftigt ist, nach Nimmerland. Dort, wo die Piraten und Einhimschen und die Verlorenen Jungs leben.

[Achtung, diese Passage enthält Informationen über den Ausgang der Geschichte] Während Wendy dort als Geschichtenerzählerin und Mutter der Verlorenen Jungs tätig wird. Erleben die drei ein ausgelassenes Leben. Bis Hook auftaucht. Noch immer bitterböse auf Peter, der ihm einst die Hand abschlug und die Krokodil zu fressen gab. Während er ruhelos ist, stets vom Krokodil verfolgt, das auch den Rest vom ihm verspeisen will, brütet er tückische Pläne aus, um Peter zur Strecke zu bringen. Geschickt gelingt es ihm, einen Hinterhalt einzurichten und Peter Peter zu täuschen. Letztlich wiederholt sich dieser Zwist wieder und wieder.
Eines Abends erzählt Wendy den Verlorenen Jungs, dass die Mütter für immer jede Nacht das Fenster auflassen würde, damit sie doch noch nach Hause zurückkehren können. Peter, der immer mal wieder auf jeden eifersüchtig wird, dem zuviel Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird, stellt Wendy als Lügnerin dar. Aber statt sich die Jungs dann wieder ihm zuwenden, bekommen alle Kinder Angst, das sie niemehr nach Hause zurückkehren können. Die Angst ist größer als je zuvor, da Wendy ihnen wieder und wieder vom Wunder Eltern zu haben erzählt hat. Nun beschließen alle – außer Peter – auf die Erde zurückzukehren. Mit einiger Anstrengung und weiteren Streichen Peters gelingt es dann auch. Nur, dass die Verlorenen Jungs dann nicht zu ihren leiblichen Eltern oder gar Adoptiveltern kommen – nein, alle werden ausnahmslos von Familie Darling aufgenommen und leben fortan in deren Wohnzimmer. Zugegeben, das war für mich die abstruseste Stelle im Ganzen Buch. Danach gibt es noch eine kleine Nachgeschichte darüber, dass Peter viele Frühjahre nicht kommt, Wendy erwachsen wird und Peter dann deren Kinder und Kindeskinder nach Nimmerland holt (wenn er es nicht vergisst). [Ende]

Insgesamt eine wirklich besondere Geschichte. Allerdings hat mich dieses Mal bei bewußten Hören doch gestört, dass die Rollen sehr klassisch verteilt waren. Wendy war selbstverständlich das junge Mädchen, dass sich den mütterlichen und häuslichen Pflichten mit Hingabe widmet und für die es nichts Schöneres zu geben schien, als die kaputte Wäsche der Jungs zu waschen und diese zu versorgen.
Peter wiederum ist in meinen Augen – Entschuldigung – ein kleiner, fieser Narzißst und ich würde mir als Mädchen heute dreimal überlegen, ob ich mit ihm befreundet sein möchte. Er lebt nur für sich, für seinen kurzweiligen Spaß, vergisst jeden, der nicht gerade in seinem Visier weilt oder nicht seinem Interesse dient.

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