Gedankenort

Schaff, das Tagwerk meiner Hände, hohes Glück, das ich’s vollende!

So sprach schon Goethe in seinem Gedicht „Hoffnung“, welches er um 1789 geschrieben haben muss. Hoffnung trifft es zwar nicht ganz, was mich bewegt, diesen Beitrag zu schreiben, denn eigentlich trieb mich mehr die Verzweiflung in den letzten Wochen um. Die Verzweiflung darüber, dass ich mit meinem Blog ins Stocken geriet. Ich habe Bilanz gezogen, Abstand genommen und nachgesonnen, wie es für Aig an taigh, aber auch für den Blog World of Folk, dessen Konzept noch viel schwieriger zu überdenken und neu zu gestalten zu sein scheint, weitergehen soll.

Mit ein Auslöser über das Bloggen, oder über mein Bloggen nachzudenken, waren die vielen Kritiken der letzten Monate. Ich muss zugeben, dass ich mich zunächst gar nicht von der Kritik (zum Beispiel hier) angesprochen fühlte, da ich mich selbst nicht als Bloggerin sehe, die bei „den Großen“ mitspielen will oder gar als Literaturkritikerin verstehen würde. Von einem solchen Selbstverständnis bin ich weit entfernt und habe auch nicht den Anspruch, mich dorthin zu entwickeln. Dennoch habe ich durch die Kritik angefangen, darüber nachzudenken, wie ich meinen Blog selbst erlebe. Online ging ich mit meinem Blog vor über zwei Jahren. Hauptsächlich aus drei Gründen: erstens wollte ich einen Überblick über meine gelesenen Bücher behalten, also so etwas wie ein Online-Lesetagebuch führen; zweitens haben verschiedene Begebenheiten in meinem jungen Erwachsenenleben dazu geführt, dass ich nicht, wie einst beabsichtigt, Buchhänderlin wurde, sondern Psychotherapeutin. Ich wollte aber meiner Leidenschaft für Bücher in irgendeiner Form dennoch in meinem Leben einen größeren Stellenwert einräumen. Einen, der über das Lesen alleine hinausgeht. Und drittens wollte ich gerne in Kontakt mit anderen Leserinnen und Lesern kommen und mich mit ihnen austauschen.

Über die Jahre ist es zunehmend unwichtiger geworden, jedes gelesene Buch hier zu besprechen oder zu erwähnen. Die anfänglichen Statistiken über meinen Lesemonat fand ich rasch recht fad und gleichzeitig kam ich mir vor, als würde ich an einem Wettbewerb teilnehmen, ohne zu wissen, gegen wen ich eigentlich antrete. Da geriet mir auch das Lesen der Bücher an sich in den Hintergrund und es ging mehr um Zahlen als um das Buch, was mich gleichwohl an die wissenschaftliche Forschung erinnerte, in der es ebenfalls um Zahlen statt um Menschen geht (und der ich daher den Rücken gekehrt habe). Geblieben sind verschiedene Rezensionen und ein wenig Austausch mit anderen. Letzteren würde ich mir deutlich umfangreicher wünschen. Aber ich freue mich darüber, überhaupt Kontakte geknüpft zu haben und noch mehr freue ich mich darüber, dass diese so konstant andauern! Danke dafür!!!

Bei den Rezensionen stehe ich nun vor meinem derzeitigen Problem. Sie spiegeln nicht wirklich, was ich insgesamt lese. Denn ich blogge meist nur über die weniger anspruchsvolle Trivialliteratur, die ich lese, da mich das Schreiben über die anspruchsvolleren Werke wie „Das achte Leben“ oder „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ sehr fordern. So hatte mich meine Rezension über Meir Shalevs „Zwei Bärinnen“ vor eine große Aufgabe gestellt, die ich kaum zu bewältigen wusste. Und ich finde, so klingt die Rezension auch. *seufz*

Hinzu kommt, dass sich mein Lesegeschmack geändert zu haben scheint. Nur habe ich das neue Genre, das mich ansprechen könnte, noch nicht gefunden. Dies führt dazu, dass mich die gängigen Genre in meinem Bücherregalen nicht sehr ansprechen (z.B. Ken Follett), meine lieben Buchhänderlinnen mir viele gute Bücher empfehlen, die mich aber auch noch nicht so richtig haben packen können und mir völlig unklar bleibt, wohin ich mich orientieren soll. Hoffnung kam nun mit den Neuerscheinungen für den Herbst auf. Dort entdeckte ich plötzlich viele Bücher, die mich interessieren könnten. Ich bin gespannt, ob ich passende Bücher finden werde.

Ein erster Lichtblick war „Auerhaus“ von Bov Bjerg. Wer mir also ähnliche Bücher empfehlen kann, der sei hiermit herzlich eingeladen, dies zu tun. Auch „Haus der Stummen“ von John Burnside gefällt mir bisher, ebenso wie „Das Stockholm Oktavo“ von Karen Engelmann.

Ob sich wirklich groß etwas an meinem Blog ändern wird, weiß ich im Moment nicht zu sagen. Ich habe für mich in der Phase des Schweigens festgestellt, dass ich trotzdem gerne blogge und es weiter tun möchte. Vielleicht verschieben sich die Schwerpunkte, vielleicht bleibt alles beim Alten. Wir werden sehen. Aber vielleicht hat auch der ein oder andere ein bißchen Feedback und Ideen, die beim Denken weiterhelfen könnten. Das wäre schön!

Jetzt freue ich mich erst einmal darauf, dass heute Nacht der Herbst Einzug erhalten soll, die Hitze vorbei sein wird und ich wieder regelmäßig Beiträge posten werde.

Herzlichst,
Mina

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