So langsam werden auf den Blogs der Buchblogger, die die Messe besucht haben, die Eindrücke zu eben dieser freigeschalten. Höchste Zeit also, dass ich meinen auch noch rasch tippe, bevor es sich wieder nicht mehr lohnt.

Indonesien IVorweg muss ich sagen: es war nicht meine erste FBM. Ich fahre schon seit 1998 regelmäßig hin. Anfangs an den öffentlichen Tagen am Wochenende, seit einigen Jahren nun aber bereits an den Fachbesuchertagen, was deutlich erträglicher ist. Dieses Jahr war ich erstmals an drei Tagen hintereinander dort.

Insgesamt ist mein Fazit etwas durchwachsen, muss ich gestehen. Es war durchaus eine wichtige Erfahrung, die Messe an drei Tagen mitzuerleben, sie in Ruhe und ausführlich zu erkunden. Doch abgesehen von der typischen Erschöpfung eines mehrtägigen Messerereignisses, fällt meine Begeisterung dennoch mäßig aus.

Zu unfreundlich waren viele Verlagsmitarbeiter (bei denen ich mir nicht einmal sicher bin, ob es denn welche waren – ihren Kenntnissen vom eigenen Verlagsprogramm zu urteilen, waren das eher Aushilfen, mit denen man sich lästige Leute vom Hals halten wollte). Ich fand die Atmosphäre an vielen Ständen angespannt, wenig offen. Dazu muss ich sagen, dass ich nicht herumgelaufen bin und jeden bzgl. Rezensionexemplaren oder Goodies angesprungen habe. Solche Fragen habe ich gar nicht gestellt. Ich wollte einfach nur in den Büchern schnuppern, hatte vielleicht mal zu einem Autor eine Frage. Die häufigste Reaktion auf ein freundliches „Hätten Sie kurz Zeit für mich“, war ein sich wappnender Blick. Ich habe zwar rasch verstanden, warum dieser sofort kam (spätestens nach einer Stunde in Halle 3.1 oder 3.0 ist man selbst genervt von diesen jungen Auszubildenden oder was weiß ich, wer die sind, mit Trolleys, die von Stand zu Stand hechten und fragen: Kann ich Bücher haben?). Dennoch stimmt es mich nicht gerade glücklich, schon von vorneherein in diese Kategorie gesteckt zu werden.

Das schlimmste Beispiel: gleich am Mittwoch, war eine junge „Frau“, die am Stand von Rowohlt mit einem jungen „Mann“ im Schlepptau kam: „Wir sind aus dem Medienbereich! Haben sie Freiexemplare für uns?“ Die ebenfalls junge Frau am Stand legte ihnen eine Auswahl vor. Die Medienfrau: „Ach cool. Das nehm ich. Das ist absolut meins!“ Der Medientyp: „Echt? Klasse! Worum geht es?“ Die Medienfrau: „Keine Ahnung, der erste Satz hinten drauf klingt super!“ Jaaaaaaaaaa….danke…

So ging das munter weiter. An einem anderen Stand wusste die Frau am Stand so wenig über das eigene Verlagsprogramm, dass es ihr selbst peinlich war und sie mir eine Visitenkarte vom Verlag in die Hand drückte. Ach – das war bei einem anderen Stand auch… Ich frage mich: Suche ich mir die falschen Ansprechpartner am Stand aus? Himmel! Für was soll ich auf die Messe fahren, wenn dann keiner Ahnung hat? Ich dachte, es sei eine Fachmesse? Nächstens schreibe ich e-Mails…wobei, auch da habe ich oftmals das Gefühl, dass diese nicht gelesen werden! Wenn irgendwo das Wort „Blogger“ auftaucht, scheint es standardisierte Antworten zum Thema Rezensionsexemplar zu geben. Ich will KEINE! Ich habe eine ANDERE Frage! Und dazu ist es nicht notwendig, die Reichweite meines Blogs zu kennen! Vergeblich! Und – sorry – bescheuert! Aber auch befreiend: dadurch wurde meine Followerliste bei Twitter deutlich geschmälert, da ich einfach so genervt war, dass ich all diese Verlage einfach gelöscht habe. Und wenn mich nicht der Autor unglaublich überzeugt, les ich von denen allen auch erst einmal nichts mehr!

Die liebe Frau Wolkenweiss hat auch eine nicht so schöne Erfahrung auf der Messe machen müssen, die zu den meinen zu passen scheint: lest selbst.

Vielleicht lege ich mir ein Alias zu, sowohl für Emails, als auch für die Messe. Dann könnte ich irgendwann eine Vergleichsstudie durchführen….

Bloggertreffen:
Die schossen ja dieses Jahr wie Pilze aus dem Boden. Ich wurde vom Hoffmann & Campe Verlag zu seinem ersten Bloggertreffen eingeladen, was mich sehr gefreut hat. Der Empfang am Stand hat mir gefallen, auch wenn wir sicher alle noch daran arbeiten müssen, auf einander zuzugehen. Ein guter Eisbrecher hierfür war der Autor Nikolaus Heidelbach, der mit ziemlich frechen Sprüchen (über das Bier am Stand oder den Äppelwoi der Hessen (ich fand erst danach raus, dass er aus Köln kommt…)) daher kam und uns aufmischte.

Agatha ChristieIch hätte unheimlich gerne mit Daniel Kampa gesprochen, der sich sogar zur Verfügung gestellt hatte: aber da muss ich etwas kleinlaut zugeben, dass ich mich nicht getraut habe
Besonders toll fand ich, Ariana dort kennengelernt zu haben. Mit ihr habe ich mich dann direkt am nächsten Tag auf dem Bloggertreffen, das Papiergeflüster organisierte, getroffen.

Überhaupt nicht gerechnet hatte ich mit dem unglaulich toll zusammengestellten Geschenk des Verlags an jeden anwesenden Blogger. Vor allem, weil der Inhalt zum Großteil meiner Wunschliste entsprach. Ich überlege seitdem, ob ich beobachtet werde. Denn von diesen Neuerscheinungen hatte ich hier nicht berichtet…

Das andere, eben schon erwähnte Bloggertreffen von Papiergeflüster, war mir zu groß, zu unstrukturiert, zu laut, zu eng. Ich kann mir vorstellen, dass es vielen gefallen hat, es als Ort der Begegnung und des Austauschs zu nutzen. Aber für mich war das einfach nicht die richtige Plattform.

Im Rahmen meiner vermehrten Hörspiel-Rezensionen aus dem Hörverlag, traf ich mich an einem Nachmittag noch mit Frau Krote, die dort für die Blogger zuständig ist. Ich fand das Gespräch sehr erhellend, da ich mich bis dato gefragt, habe, wie die Erfahrungen der Verlage mit den Buchbloggern ist und worauf die Verlage selbst wert legen. Danke dafür!

Nicht vergessen will ich das persönliche Treffen mit Phantásienreisen, die erstmals in Frankfurt dabei war, aber ein alter Hase auf der Leipziger Messe zu sein scheint. Wir haben uns nett über Hörbuchsprecherinnen und -sprecher unterhalten und hatten eine kurzweilige Zeit miteinander. Danke Dir!

Und sonst so:
Nachdem ich von den Halle 3.0 und 3.1 recht schnell genervt war (siehe oben), habe ich mir nur noch Zeit für die Veranstaltungen genommen. Ich war viel in meinem geliebten Lesezelt (der Auftritt der Tempeltänzerin war toll), an der ARD Bühne, habe mir das Gastland angesehen. Auf der ARD Bühne lauschte ich wie in jedem Jahr Denis Scheck und später einem Interview mit Péter Gárdos, sah mir das Gespräch mit Ulrich Wickert. Außerdem durfte ich Muscheln bei Mario Kotaska testen (den die Buchmesse auf ihrer Programmankündigung zu einer Frau machte).

Ein großer Dank soll hier auch rasch an Yogi-Tee im Lesezelt gehen! Ohne Euch hätte ich die drei Tage nicht geschafft! Merci!

Yogitee

Mein persönliches Highlight:
Das meist photographierte Objekt der Messe scheint seit Jahren die Ullstein-Eule zu sein. Nur – ich habe sie noch nie photographiert. Das dachte ich, als ich mittwochs zum gefühlten achten Mal an ihr vorbeistiefelte. Also drehte ich um und machte ein Photo. Und da sprach mich eine nette blonde Frau an und wir kamen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass es sich bei der herzlichen Frau um die Autorin Heidi Gebhardt handelt, die im Ullstein-Verlag ihre Tante Frieda-Krimis herausbringt. Tante Frieda ist eine ältere, energische Dame aus Hanau, Hohe Tanne, die es besser als jeder Polizist zu verstehen scheint, Kriminalfälle zu lösen. Ich habe abends direkt die Leseprobe gelesen und mir den ersten Band heute bei meinen Lieblingsbuchhändlerinnen bestellt! Am schönsten finde ich daran, dass der Roman manchmal auf Hessisch geschrieben ist. Da wurde mir ganz warm ums Herz. Auch die Entstehunggeschichte des Buches und dessen Weg zum Leser, hatten mich sehr für sich einnehmen können. Das erzähle ich Euch aber ein ander mal. 🙂

Tjaaaa, das war es von mir zum Rückblick zur #fbm15. Nächstes Jahr komme ich wahrscheinlich schon wieder. Aber nur für einen Tag. Drei sind mir zu viel. Ich werde wieder dazu übergehen, was ich früher zur Messe zu tun pflegte: ich nahm mir Zeit, neue Buchhandlungen zu erkunden und dort einzukaufen. Und vielleicht habe ich sogar im kommenden Jahr einen Aushilfsjob in meiner Lieblingsbuchhandlung Schmökerstube Roßdorf, damit die beiden selbst zur Messe fahren können – wer weiß! Ist ja noch ein Jahr hin!