Gedankenort

[Jahresrückblick 2015] Ein abwechslungsreiches Lesejahr

Überall poppen sie schon seit ein/zwei Wochen auf: die Jahresrückblicke, die Lesehighlights 2015 und auch schon unzählige neue Challenges für das Jahr 2016.
Zeit also, es mir hier auch gemütlich zu machen. Gemütlich mit einer dampfenden Tasse Tee, meinem Lesejournal und ein wenig leiser Musik im Hintergrund.

Draußen wird es endlich kälter. Heute früh beim Laufen kamen kleine Dampfwölkchen aus meinem Mund und ich freute mich über jedes einzelne.

Vorhin rannte ein Wildschwein hier am Haus entlang. Sicher hatte es nachträglich noch wichtige Weihnachtsgrüße auszurichten. Womöglich an Pedro, den Esel einer unserer Waldnachbarinnen, denn in dessen Richtung rannte es ins Moor.

Ihr spürt schon, heute bin ich in besonderer Stimmung. Es tut gut, zu Hause zu sein, die Pflichten nicht allzu viel Raum einnehmen zu lassen. Genau die richtige Verfassung auf das Gestern zurückzublicken.

Mein Lesejahr war äußerst abwechslungsreich. Zwar las ich wieder viele Jugendbücher, für die ich zwar noch immer eine leichte Schwäche habe, die mir jedoch sprachlich immer mehr zu schaffen machen. Besonders schlimm fand ich kürzlich die Hörbuch-Ausgabe von „Origin. Schattenfunke“ von Jennifer L. Armentrout. Ich war ja bereits von Band III nicht sehr angetan, konnte mich jedoch nicht zurückhalten, als nun Band IV herauskam. Leider gehört dieser Band und diese Reihe dadurch mit Sicherheit zu meinen absoluten Leseflops des Jahres und ich werde sie auch nicht mehr weiterverfolgen. Ich gehe davon aus, dass es weitere Bände geben. Sicher bin ich mir nicht, da ich Band IV abgebrochen habe und somit nicht weiß, wie er endet. Ich bin inzwischen ähnlich genervt von dem sich wiederholenden, unkreativen Schreibstil à la „Shades of Grey“ (wir nennen diesen hier ja nur liebevoll „Schorch (Hessisch für Georg) of Grey“). Schade, wirklich schade, wenn Autoren es nicht schaffen, sich bzw. ihre Figuren weiterzuentwicklen.

Wenn ich aber gerade bei meinen Flops bin, dann kann ich es gleich hinter mich bringen und mein persönliches, absolutes NO GO des Jahres benennen: „Outlander – Feuer und Stein“ von Diana Gabaldon. Sagt mir mal bitte jemand, wie eine erwachsene, reife Frau so etwas auch nur ansatzweise tolerieren kann und dann noch dazu beiträgt, dass diese Reihe und Verfilmung nun so hoch gehalten werden? Dieses Buch ist frauenfeindlich, sexistisch und unglaublich schlecht geschrieben!

Es gibt eine Szene, in der sie von diesem ach so tollen Jamie gezüchtigt wird… Wie kann man es gut heißen, dass eine Frau aus einer anderen Zeit, die bereits in ihrer Welt einen gewissen Grad an Aufklärung erfahren hat, sich zustimmend damit abfindet, verprügelt zu werden?!? Es geht nicht darum, dass sie es nicht verhindern konnte. Ich könnte mich auch nicht wehren. Aber innerlich nach nur fünf Minuten damit d’accord gehen? Also echt! Und dann dieses ständige Kleinkindgehabe, Trotzverhalten einer angeblich so weit entwickelten Frau, die medizinische Kenntnisse besitzt. Es ist einfach lächerlich. Selten hat mich ein Werk so erzürnt. Ich bin wild schimpfen im Haus herum und habe dann irgendwo nach dieser Schläge-Szene und ihrem Kindergarten-Verhalten das Hörbuch abgebrochen. Niemals mehr so einen Stuss!

Puh…also…lasst mich lieber wieder zurück in meine anfängliche gelassene Stimmung finden und von meinen sonstigen Leseerfahrungen des Jahres berichten:

Meine schönsten Lesemomente/-bücher, lassen sich allerdings nicht ranken. Ich will einfach aus der Erinnerung heraus von ihnen berichten.

Da war zum Beispiel meine größte Leseüberraschung in diesem Jahr, nämlich Benjamin Leberts „Mitternachtsweg“. Ich habe es als wahrlich düster in Erinnerung und in mir entsteht ständig das Bild von kaltem, starken Regen bei Nacht.

024

„Auerhaus“ von Bov Bjerg hat mich aus einer tiefen Leseflaute gerissen, wofür ich unglaublich dankbar war. Doch noch mehr, öffnete sich dadurch in mir das Interesse an anderen Genres und ich begann auszuprobieren. Dank des Bloggerportals der Randomhouse Verlagsgruppe, konnte ich hier auf Literatur aus verschiedenen Verlagen zurückgreifen. Somit entdeckte ich die Deutsche Verlagsanstalt und tauchte in mir völlig unbekannte Buchwelten ein. Besonders in Erinnerung blieb „Das Vermächtnis der Göttinnen“, aber auch aus dem John Burnsides Roman „Haus der Stummen“ aus dem Knaus Verlag. Ebenfalls über das Bloggerportal durfte ich den Hörverlag neu entdecken und lernte auf der Buchmesse die sehr freundliche und äußerst engagierte Eva Korte kennen, die im Hörverlag für die Blogger zuständig ist. Hier entdecke ich zur Zeit immer wieder wahre Schätze der Hörspiel-Inszenierungen wie „Die Serapions-Brüder“ oder „Unter dem Milchwald“. Doch auch ganz einfach wundervolle Schmöker-Hörbücher wie „Bittersweet“ von Miranda Beverly-Whittemore.

Serapion1vermächtnis göttinnen

Und dann habe ich noch einen ganzen Verlag für mich entdeckt – naja vielleicht nicht den ganzen, da ich nach wie vor keine Krimis lese -: Diogenes. Hier lese ich mich munter durchs Programm. Ein bißchen auch mit der Unterstützung des Verlags selbst. Während ich „Zwei Bärinnen“ von Meir Shalev wohl einfach nicht kapiert habe, habe ich „Die Hochzeit der Chani Kaufman“ oder „Das Leben einer Matratze bester Machart“ nur so verschlungen. Im Moment lese ich „Kindes Kind“ von Barbara Vine, die mich so begeistert, dass ich mir schon Nachschlag besorgt habe.

Matratzechanikaufman

Aufmerksam wurde ich einmal mehr auf den Verlag, als ich mir in einem Antiquariat eine alte Ausgabe von Ingrid Nolls „Die Häupter meiner Lieben“ kaufte.

Damit begann noch am gleichen Abend, weit weg von zu Hause in einem einsamen Bett in einem viel zu großen, kalten Zimmter meine Liebe zum Diogenes Verlag und zu Ingrid Noll. Lebensrettend!

So fast habe ich alle meine Lesehighlights genannt. Aber eines fehlt noch! Eine Jugendbuch-Reihe, um die ich lange einen Bogen gemacht habe und die mich nie ansprach: „Die Tribute von Panem“! Gerade jetzt in den Weihnachtstagen bin ich der Geschichte dann zufällig noch einmal begegnet und blieb kleben. Anders kann ich es kaum nennen. Ich klebte fest an dieser Katniss Everdeen und an Peeta und Finnick und Prim und und und Wahnsinnig gute Geschichte. Und seit langem eine Reihe, die nicht langweilig wurde. Ich bin froh, sie gelesen zu haben!

Mit meinem „Hoffmann und Campe“-Projekt musste ich leider pausieren. Irgendwie werde ich mit den Büchern, die ich mir bisher aus dem Verlag ausgewählt habe, nicht warm. Eine Ausnahme stellt neben „Mitternachtsweg“ sicherlich „Fieber am Morgen“ dar, dass ich verschlungen habe. Ansonsten habe ich womöglich kein gutes Händchen, bei der Auswahl der zu mir passenden Bücher aus dem Verlagsprogramm? Ich bekam auf der Buchmesse beim Bloggertreffen noch eines, das ich noch nicht gelesen habe: „33“ von Kjersti A. Skomsvold. Vielleicht überzeugt mich dieses? Wenn ja, sollte ich den Verlag bitten, die Bücher für mich auszuwählen. „Fieber am Morgen“ hatten sie mir nämlich auch ausgesucht. 🙂

Achso, „Lesen aus der eigenen Bibliothek“ – das war ja mein persönliches Projekt für 2015. Nicht einmal die Hälfte der aufgelisteten Bücher habe ich gelesen. Obwohl ich insgesamt ca. 80 Bücher und 30 Hörbücher gelesen bzw. gehört habe. Mir scheint, ich hatte mir zu viele Bücher vorgenommen, da einfach von „Außen“ immer wieder welche hinzukamen und auch in Zukunft hinzukommen werden. Ich werde das Projekt weiterführen, allerdings anders. Mit weniger Büchern. Doch dazu im Jahresausblick 2016. Über mein Backlist-Projekt schreibe ich auch im Ausblick aufs kommende Lesejahr, da ich dieses weiterführen möchte.

So, nun husche ich davon und schreibe am meinem Ausblick für 2016. Ich wünsche Euch allen ein gutes Rest-2015 und kommt mir am Donnerstag gut ins Neue Jahr!

Ich freue mich auf weiteren Austausch und vielleicht gemeinsame Lesevergnügen!

Herzlichst,
Mina

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5 Kommentare zu „[Jahresrückblick 2015] Ein abwechslungsreiches Lesejahr

  1. ich freu mich auch auf 2016. Ich hoffe, dass ich so ein paar anspruchsvolle Buchleichen mir da zu Herzen nehme. Mein absolutes Lowlight war Nick Hornbys „Miss Blackpool“ … boah fand ich das grottig. So sehr, dass ich es abgebrochen habe.

  2. Einen interessanten und sehr persönlichen Rückblick hast du da geschrieben. Man spürt genau deine Stimmung, wenn du über die Tops und Flops schreibst. Macht richtig Spaß, diesen Beitrag zu lesen! Jetzt bin ich auf den Ausblick gespannt. 🙂

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