Buchversammlung

[Rezension] Emanuel Bergmann – Der Trick

Meine lieben Leserinnen und Leser!

Heute will ich Euch über ein Buch berichten, das derzeit überall recht hoch gelobt wird. Es handelt sich dabei um Emanuel Bergmanns Debütroman „Der Trick“ aus dem Diogenes Verlag. Ich habe den Eindruck, die positiven Stimmen überschlagen sich. Mir war nicht bewusst, dass ich mit diesem Buch, das ich mir schon vor einer Weile aus der Verlagsvorschau ausgespäht hatte, ein „Hype“-Buch ins Haus hole. Erfreulicherweise hatte ich es schon gelesen, bevor auf den Social Media Kanälen der Hype wirklich los getreten wurde. Bei mir haben solche Reaktionen nämlich in der Regel zur Folge, das ich mich dem Buch verweigere und es erst lese, wenn es nicht mehr in aller Munde ist. Denn ich habe oftmals den Eindruck, dass die Erwartungen dann automatisch sehr hoch sind und das Buch eigentlich nur versagen kann. Glücklich bin ich über diesen Effekt nicht, aber meist komme ich dagegen nicht an. Wobei ich nun schon andeuten kann, dass es ein weiteres Buch aus dem Hause Diogenes gibt, das momentan in den höchsten Tönen gelobt wird, und das ich jetzt erst anfing zu hören und dennoch absolut hin und weg bin. Doch dazu in einer anderen Rezension zu gegebener Zeit mehr.

Der Trick

Zurück zu „Der Trick“ von Emanuel Bergmann:

Bergmann erzählt uns hier zwei Geschichten. Einmal schildert er die Lebensgeschichte des jüdischen Mosche Goldenhirsch, der in Prag aufwächst und dort als Jugendlicher, nach einer nicht ganz so einfachen Kindheit, einen Zauberkünstler im Zirkus sieht. Schnell ist klar, dass er in dessen Fußstampfen treten möchte, um ein weltberühmter Zauberer zu werden. Da jeder Zauber einen Namen braucht, wird er von seinem Lehrmeister „Zabbatini“ genannt. Mit dem Zirkus reist er nach Deutschland. Alles um das Jahr 1934 herum, was für ihn als jüdischen jungen Mann schwierig werden kann. Doch noch ahnt niemand, welche schrecklichen Ausmaße die Hitler Dikatur auf Deutschland und die umliegenden Länder und Völker haben wird. Es kommt jedoch wie es kommen muss und Mosche wird Opfer der Judenverfolgung und später strandet er als mürrischer alter Mann in den USA.

Die zweite Geschichte, die uns der gebürtige Saarbrücker Schriftsteller erzählt, handelt von dem zehnjährigen Max Cohn. Auch er ist in gewissem Sinne ein Opfer. Denn seine Eltern wollen sich scheiden lassen. Verzweifelt über die Trennung der Eltern, versucht Max eine Lösung zu finden, um die Eltern wieder zu vereinen. Schicksalhaft begegnet ihm eine Vinyl-Platte mit einer Zauberdarbietung des Großen Zabbatini, auf der sich auch ein Liebeszauber befindet. Dieser ist allerdings nicht mehr abspielbar und in seiner Not macht sich Max auf die Suche nach dem Großen Zabbatini, in der Hoffnung, dass der Zauberer die Liebe seiner Eltern retten kann.

Ich habe den Roman wirklich gerne gelesen. Er las sich flüssig weg und ich hatte auch keinerlei Probleme, in die Geschichte einzutauchen. Nur diese unglaublichen Lobeshymnen auf anderen Blogs, Twitter und Co ließen mich doch etwas stutzen. Das Buch ist gut, keine Frage. Aber es ist nicht überragend. Es liest sich nett. Ich würde es sogar weiterempfehlen, was ich sogar schon tat. Aber ich finde, für einen herausragenden Roman wäre da noch jede Menge Luft nach oben.

Der Humor im Roman hat mir gut gefallen. Er war gut dosiert und hatte eine tragende Komik. Doch die Charakteren waren meines Erachtens nach nicht sehr gut ausgearbeitet. Vor allem Max‘ Eltern fehlten jede Tiefe und ihre Handlungen waren für mich in den meisten Fällen nicht nachvollziehbar. Dabei meine ich nicht, dass sie mir zu oberflächliche Charkatere gewesen wären. Charakteren können oberflächlich-hysterischer Natur sein (man denke nur an Mutter Bennet in Stolz und Vorurteil), aber auch ein Charakter, der oberflächlich fühlt bedarf einer guten Ausarbeitung. Und diese gute Ausarbeitung hat mir hier bei vielen Figuren gefehlt.

Ein ebenfalls nicht nachvollziehbarer Zug war die Einführung einer wichtigen historischen Figur, die aus meiner Sicht einfach gänzlich mißlungen war und mich genervt aufstöhnen ließ. An der Stelle musste ich das Buch kurz weglegen und mich zum Weiterlesen überreden. Ich war allerdings froh, dass ich es dennoch tat. Denn insgesamt fand ich die Geschichte schön. Würde ich auf meinem Blog Herzchen oder Sterne oder etwas derartiges vergeben, wären es glatte drei Sterne für ein gutes Debüt, das dem Autor auch die Möglichkeit bietet, sich weiterzuentwickeln. Immerhin hat Leoanrdo di Caprio auch viele Jahre gebraucht, um einen Oscar zu bekommen…

Das Buch „Der Trick“ erschien im Februar 2016 im Diogenes Verlag. Es kostet gebunden €22.00, als eBook €18.99 und als Hörbuch, gelesen von Stefan Kaminski, €26.00.

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4 Kommentare zu „[Rezension] Emanuel Bergmann – Der Trick

  1. Moin und danke für die schöne Besprechung. Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen. Siehe bei mir im Leseschatz. Die Einführung einer wichtigen historischen Figur hat Dich gestört? – Du meinst die Szene in Berlin in der Limousine? Wenn Du die meinst, muß ich Dir etwas widersprechen, denn ich mußte sehr lachen, denn diese kleine Szene war unglaublich humorvoll und die Figur trat schön dümmlich auf. Ich mochte das Buch sehr!
    Liebe Grüße, Hauke

    1. Hallo Hauke!
      Danke für Dein nettes Kommentar! Jaaaa – Deine Rezension habe ich gelesen und das war eine der vielen guten, die ich da meinte. Lächel.

      Aber ist doch auch schön, wenn Bücher manche Menschen zu bewegen wissen, andere weniger. Und wie geschrieben, fand ich das Buch ja auch gut.

      Genau diese Szene meinte ich! Vielleicht fehlt mir auf diese Person auch einfach der notwendige Humor. Denn alles, was sich dieser Person humorvoll zuwendet, geht nicht so an mich.

      Hach, ich freu mich gerade echt über Dein Kommentar! Liebe Grüße zurück,
      Mina

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