[Rezension] Dr. Amy Myers – Die Autoimmun-Lösung

Im Irisiana-Verlag erschien 2016 Dr. Amy Myers Buch „Die Autoimmun-Lösung“. Ein 440 Seiten starkes Buch darüber, dass ein gesundes Immunsystem im Darm beginnt. Da ich mich privat und beruflich für Ernährung und speziell für Darmgesundheit und Autoimmunerkrankungen interessiere, schien das Buch wie geschaffen für mich. Vor allem, da es so umfangreich erschien, freute ich mich sehr über diese Entdeckung.

Doch meine Begeisterung hielt nicht lange an. Ich bin sogar eher enttäuscht von diesem Buch. Die Einleitung über Frau Myers eigene Immunerkrankung ihren Weg aus der Erkrankung fand ich noch spannend und lesenswert. Allerdings wurde dann in diesem Kapitel bereits ein Selbsttest vorgeschlagen, mit dem ich nichts anfangen konnte: Erst wurden hier viele Körperbreiche mit möglichen Symptomen abgefragt. Die Testperson muss dabei selbst wissen, wie stark sie ihre Symptome auf einer Skala von 0 bis 4 einstufen würde. Anschließend muss man zu den Punkten, die sich aus dem Test ergaben noch weitere Fragen beantworten, die möglicherweise weitere Punkte hinzufügen. Der Witz war, dass ich bei den Symptomen gerade mal vier Gesamtpunkte erreichte. Dann kamen aber die zusätzlichen Fragen und schon mit der ersten, sprengte ich dann automatisch die Gesamtskala, auf der man abschließend seine „Gefährung für Entzündungsprozesse“ im Körper ablesen konnte. Dies war nicht nur auf dem Hintergrund eines aussagekräftigen Fragebogensystems für mich absolut daneben, sondern auch dahingehend, dass ich weiß, dass mit einer Autoimmunerkrankung die Wahrscheinlichkeit für Entzündungsprozesse im Körper deutlich erhöht sind…

Die Enttäuschung hielt weiter an (und wir sind gerade auf Seite 41 von 440). Ganz unmöglich fand ich den möglicherweise „amerikanischen Ton“, in dem das Buch geschrieben wurde. Selbstbeweihräuchernd und zu überzeugt von sich selbst schildert die Autorin und Ärztin, was man alles in den Mülleimer werfen MUSS und nur wenn man sich genauso verhält, wie sie es vorschreibt (!), hat meine Chance auf eine gute Gesundheit trotz Autoimmunerkrankung. Essen darf man nur noch Bio-Fleisch und Bio-Gemüse. Heißt das, eine Person, die sich das nicht leisten kann, wird dann auch nicht mehr gesund werden können, bzw. kann nicht gut für sich sorgen?

Ich möchte aber noch ein wenig über das schreiben, was ich interessant fand:
Das Buch bietet ein ganzes Ernährungsprogramm, dass für die einzelnen Tage einem komplett zeigt, was man wann essen soll. Das fand ich wiederum eine gute Idee. Denn vielen Menschen, die ihre Ernährung umstellen möchten, fällt es schwer, sich Wochenpläne zu machen. Sie lesen dann zwar, was sie essen sollen, finden aber nicht heraus, wann und wie sie sich am besten mit den vorgeschlagenen Lebensmitteln ernähren. Hier bietet das Buch wirklich umfassende Pläne und Rezepte. Ungewöhnlich erscheint dem Leser vermutlich, dass man zum Frühstück Hühner-Suppe oder ähnliches isst. Ich fand es nicht so abwegig, da man im Ayurveda ja ebenfalls früh warm ist, um das Verdauungsfeuer hochzufahren. Ich mag warmes Frühstück sehr. Ob ich jetzt unbedingt herzhafte warme Gericht morgens um sieben essen möchte, bezweifle ich allerdings. Da bleibe ich lieber beim warmen Haferbrei.

In dem Buch werden sehr viele Nahrungsergänzungsmittel empfohlen. Ob die alle so notwendig sind und ob man als Leser eines Buch, wirklich selbst mit diesen Zusätzen experimentieren sollte, mag ich nicht beurteilen. Ich nehme selbst auch Nahrungsergänzungsmittel, allerdings in Rücksprache mit meinem Arzt und bis auf eines auch eher wegen der sportlichen Aktivitäten, denen ich nachgehe und nicht wegen der Autoimmun-Geschichte.

Was ich der Autorin insgesamt vorhalte, ist, dass die Umstellung der Ernährung und die ganzen Ergänzungsmittel vor allem eines sind: sehr, sehr teuer. Diese Art der Gesundheit muss man sich definitiv leisten können! Sicherlich wird diese Umstellung etwas bringen. Alleine schon das bewusste Auseinandersetzen mit sich und seinem Körper, verändert das Selbsterleben und eine so gesunde Ernährung und Nährstoffversorgung bleibt mit Sicherheit nicht ohne positiven Effekt.

Wie bereits zu Anfang erwähnt, erschien das Buch im Irisiana-Verlag. Es ist gebunden und kostet in Deutschland €22,99. 

Bei dem hier besprochenen Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Das bedeutet, ich habe das Buch vom Verlag zum Rezensieren zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat jedoch keinen Einfluß auf meine Meinung.

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6 Gedanken zu “[Rezension] Dr. Amy Myers – Die Autoimmun-Lösung

  1. Puh, das klingt enttäuschend. Ich kann mir vorstellen, dass Personen, die auf der Suche nach Orientierung und Hilfe sind, durch das Buch schnell demotiviert werden bzw. jegliche Zuversicht verlieren. Ich finde es furchtbar, wenn irgendwer irgendeine Ernährungs- oder Lebensweise als die einzig wahre anpreist. Es gibt nun mal nicht die ultimative Lösung für alle (zum Glück, sonst wäre u.a. die Landwirtschaft noch einseitiger und verheerender für die Umwelt). Nahrungsergänzungsmitteln stehe ich sowieso skeptisch gegenüber, sofern sie nicht bspw. durch eine Erkrankung nachweislich benötigt werden und – wie in deinem Fall – mit einem Arzt abgeklärt sind.

    1. Ich finde es vor allem schade, eine doch insgesamt recht guten Ansatz durch diese Art und Weise der Präsentation und die zusätzlichen, m. E. nach schwierigen Tests und Auflistungen selbst zu untergraben.
      Und worauf ich auch empfindlich reagiere: wenn Ärzte, Heilpraktiker und auch meine Kollegen 500 unspezifische Symptome auflisten und sagen „siehst Du, davon hast Du was und deshalb bist Du jetzt krank und musst mir 250 Euro zahlen…“. Das finde ich genauso schlimm, wie das Gegenteil…wenn jemand da sitzt und sagt, „ich habe die und die Symptome, mir geht es schlecht“ und der Fachmann dann sagt „kann gar nicht sein“. Beides sind so extreme Haltungen, die mich echt ärgerlich werden lassen.

  2. Mir geht es mit dem Buch genau so: Der amerikanische Ton im Stile einer Heilslehre, die sich durch unzählige Wiederholungen ins Bewusstsein der Leserin schleichen soll, das schreckt schon ab. Und auch der Inhalt hat was Ambivalentes. Amy Myers sehr einfache Darstellung des Immunsystems finde ich griffig und passend. Ihre kategorische Beurteilung von Lebensmitteln („bitte entsorgen“) dagegen erntet meinen Widerwillen. Nicht, weil Frau Myers total falsch läge, sondern weil sich ein Ernährungskonzept nicht einfach qua Übersetzung auf andere Kulturräume übertragen lässt: Die meisten Deutschen, die sich bewusst und nachhaltig ernähren, bewerten Reis, Mais, Kartoffel, Kaffee und Leitungswasser doch etwas anders – weil diese Lebensmittel bei uns in der Regel eine andere Qualität als in den USA haben. Es gibt hier keinen HFCS-Mais, keinen Gen-Reis und in vielen Gemeinden sogar ganz brauchbares Trinkwasser. Dazu kommt in Deutschland eine etwas andere Esskultur. Mir jedenfalls graust beim Gedanken an gebratenes Huhn zum Frühstück. Seit Jahren backe ich glutenfreies Sauerteigbrot, lecker, sehr bekömmlich, lehrreich. Mag sein, dass ich da eingefahren bin, aber Brotbacken gehört für mich nicht nur zur Ernährung, das ist für mich auch Kultur. Und genau da holt Frau Myers ihre Leserinnen nicht ab

    1. Guten Tag und ganz lieben Dank für Deine ausführliche und fundierte Stellungnahme hier! Das hat mich gerade ganz arg gefreut!
      Du triffst es viel besser auf den Punkt, als ich es konnte und Deine Gedanken dazu, dass es auch problematisch ist, den amerikanischen Kulturraum auf den unseren zu projizieren finde ich noch einmal sehr hilfreich. Darüber hatte ich bisher nicht nachgedacht.
      Wenn ich gerade lese, dass Du glutenfreies Brot backst… ich soll für ein Fest mehrere glutenfreie Kuchen backen. Davor graut es mir etwas, da ich keinerlei Erfahrung damit habe. Ich hoffe, es gelingt mir. Ich las, dass man doch einiges an Übung brauche…
      Einen wunderbaren Sonntag! Mina

      1. Hallo Mina, das Kuchenbacken klappt mit den richtigen Rezepten auch ohne Erfahrung ganz gut. Nur Mut! Tolle Rezepte gibts im Netz ja zuhauf. Was nicht ohne Weiteres funktioniert, ist Deine Lieblingsrezepte aus der „Weizenwelt“ abzuändern. Für den Biscuit-Teig meiner Hochzeitstorte hat meine Mutter regelrechte Testreihen backen müssen. Würde ich bei Zeitdruck nicht empfehlen.
        Ein anderes Problem (zumindest dann, wenn Zöliakie-Betroffene mit am Tisch sitzen) ist Kontamination durch benutzte Backbretter, Nudelhölzer, Backformen und Umluftherde. Herd und Backformen kannst Du ordentlich schrubben, aber ne Arbeitsfläche oder ein Backbrett aus Holz kannst Du nicht vom Gluten befreien, da helfen nur Frischhaltefolie oder Neukaufen.
        Wie auch immer: Gutes Gelingen! Und wenn Du zwei einfache aber richtig tolle Rezepte gebrauchen kannst, schreib mir ne Mail (steht im Impressum bei jazzlampe.wordpress.com)
        Gruß und einen schönen Sonntag noch
        Adrian

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