[Rezension] Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann

Diesen Roman von Mariana Leky habe ich schon ein ganzes Weilchen hier liegen. Erst dauerte es, bis ich ihn lesen konnte, weil die Sprache so unglaublich traurig und melancholisch ist, dann brauchte ich wieder Zeit, um darüber schreiben zu können…

Mein Fazit vorweg lautet: „Das Buch ist so unglaublich traurig geschrieben, dass ich es kaum ertrug!“ Ich kann Euch nicht sagen, warum es mir so extrem nah ging. Mir blieb schon auf den ersten Seiten die Luft weg. Die Autorin schreibt so unglaublich gut. Ich konnte mich wahnsinnig schnell und tief in die Charaktere einfühlen, so dass ich das Gefühl hatte, ich würde selbst dort leben, selbst dort alles miterleben. Und das ging mir durch und durch. Und gerade deshalb finde ich diese Buch sehr empfehlenswert!

Doch um was geht es in dem 2017 im Dumont Verlag erschienen Roman?
Der Leser lernt das Leben um Selma kennen. Selma ist eine alte Westerwälderin, die den Tod vorhersagen/ vorhersehen kann. Genau bedeutet dies, dass jedes Mal jemand stirbt, wenn sie in der Nacht von einem Okapi träumt. Wen genau es danach treffen wird, ist jedoch unklar. Dies verunsichert die Dorfbewohner nicht nur, es treibt sie auch zu allerlei ungewöhnlichen Taten und Geständnissen an. Hier wird der Roman bei all der von mir erlebten Traurigkeit in der Sprache (im Klappentext steht, er sei lakonisch) manchmal absurd komisch, was wiederum zum Lesevergnügen beiträgt. Ja, es war ein Lesevergnügen der besonderen Art. Ich habe das Buch nicht am Stück lesen können, doch ich mochte es sehr.
Erzählt wird uns die Geschichte übrigens von Selmas Enkeltochter Luise, über deren Leben wir auch so einiges erfahren, genauso wie über den verliebten Optiker des Dorfes oder Luises Freund Martin. Erinnert hat mich der Roman ein wenig an „Vor dem Fest“ von  Saša Stanišić, falls den jemand von Euch gelesen haben sollte. Dorfgeschichten, die zu keinem Zeitpunkt langweilen und die jeder, der wie ich auf dem Dorf aufgewachsen ist, kennt. Auch bei uns im Dorf gab es jemanden, der den Tod oder vielmehr einen schlimmen Schicksalsschlag vorhersehen konnte… Etwas schwerwiegender als bei Selma, denn die Frau sah eine Person und wusste plötzlich: „Oh, Dir wird in den kommenden Tagen Leid widerfahren!“ Das war schon recht ängstigend und gruselig!

Eine Bekannte von mir meinte übrigens noch: „Ach, das ist ein schönes Buch. Das lässt sich so leicht nebenbei lesen!“ Mit dieser Info setzte ich mich ans Buch und…ja, ich schrieb ja schon, wie es mir damit ging. Nicht so wie von der Bekannten angepriesen. Vielleicht hat es mich auch deshalb zunächst so von den Füßen geholt. Anderseits zeigt dies sehr schön, wie unterschiedlich ein Roman verschiedenen Menschen eine Freude bereiten kann.

Ich wollte Euch gerade ein paar Zeilen abtippen, aber mir stockte sofort wieder der Atem! Am besten, Ihr besorgt Euch eine Leseprobe oder am besten gleich das Buch selbst. Es erschien wie erwähnt im Dumont-Verlag und kostet gebunden in Deutschland € 20,00.

Bei dem hier besprochenen Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Das bedeutet, ich habe das Buch vom Verlag zum Rezensieren zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat jedoch keinen Einfluß auf meine Meinung.

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2 Gedanken zu “[Rezension] Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann

  1. „Was man von hier aus sehen kann“ ist für mich ein ganz besonderer Leseleckerbissen, und das habe ich auch ausführlich in meiner Rezension dargestellt, wenn Du da mal reinlinsen magst:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/12/22/was-man-von-hier-aus-sehen-kann/

    Mariana Lekys Sprache ist von berührender, ja, zu Herzen gehender Transparenz.
    Wir lesen hier keine rosa Liebeszuckergußromanze, sondern gefühlsechte, menschenkenntnisreiche, reife Herzensqualität. Die Geschenke und Verluste des Lebens gehen in diesem weisen Roman harmonisch Hand in Hand, Gefundenes wird verloren und Verlorenes wird gefunden, Vertrauen umarmt Verletzlichkeit.

    Mariana Leky charakterisiert und inszeniert ihre Figuren mit einer bewundernswerten psychologischen Tiefenschärfe und einem feinen Sinn für Humor. Eine überaus zärtliche, sinnlich-schwebende Sprachmelodie und augenzwinkernde Verspieltheit erleichtert die Schwerkraft des Schicksals.

    Dieser Roman hat so viele zitierwürdige Lieblingsstellen, daß man nur schwer eine Auswahl treffen kann.

    Nachtaktive Grüße von
    Ulrike

    1. Liebe stets so nachtaktive Ulrike,
      ich danke Dir sehr für Dein ausführliches und treffendes Kommentar. Ja, das ist wahr – Lekys Sprache ist außergewöhnlich berührend.

      Ich wünsche Dir einen wunderbaren Frühling und viele tolle Lesenächte!
      Mina

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