-Werbung, da Rezensionexemplar-

Hatte ich nicht vor kurzem noch recht verhalten und zögerlich über Strouts „Mit Blick aufs Meer“ geschrieben? Ich konnte mich bei diesem vor 10 Jahren erschienenen, hochgelobten Roman nicht richtig erklären. Wusste nicht, ob ich ihn nun gut fand oder eher langatmig und zu unspektakulär. Gleichwohl habe ich in der Rezension schon angekündigt, dass ich den nun erschienenen Nachfolgeband lesen möchte. Und das tat ich auch.

Kehren wir also zurück nach Maine, an die Küste, nach Crosby, der Kleinstadt und zurück zu Olive Kitteridge.
Zwanzig Jahre sind in dem Roman vergangen seit wir uns in „Mit Blick aufs Meer“ von Olive, ihrem Ehemann Henry und den anderen Kleinstadtbürgern verabschiedet haben. Zwanzig Jahre, in denen vielen der Charakteren klar wurde, dass sie es nicht schafften, das Leben lebenswerter zu gestalten, sich zu ihren Gunsten zu verändern oder freier und leichter zu werden.

Strout schreibt hier feinfühlig und dennoch mit klarem Blick und konkreten Aussagen über zwischenmenschliche Schwierigkeiten, die sich über Jahre tief in den Menschen verankerten und es ihnen schwer macht, sich zu verändern. Einigen, auch Olive, wird bewusst, wo sie sich in den vergangenen Jahrzehnten falsch oder selbstsüchtig verhalten haben. Gerade Olive versucht es zu verändern, kommt jedoch häufig gar nicht gegen ihre Art an.

Auch das Altern der Menschen wird hier nicht beschönigt, sondern als das beschrieben, was es meist ist: beschwerlich. In einer Szene überlegt Olive eine ganze Weile, ob sie sich zu der deutlich jüngeren Frau auf den Felsen setzen soll. Und zwar nicht nur aufgrund ihrer zwischenmenschlichen Probleme miteinander, sondern weil Olive weiß, dass sie Schmerzen beim Sitzen auf dem Stein haben wird, und dass es sehr beschwerlich werden wird, sich wieder zu erheben.

War ich bei „Mit Blick aufs Meer“ noch skeptisch, was ich von Olive Kitteridge und Crosby halten soll, zog mich der neue Roman der Autorin voll in seinen Bann. Ich versank tief in die Geschichten, fühlte mich gleichzeitig wieder zum Nachdenken angeregt.

Bei dem hier besprochenen Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar. Das bedeutet, ich habe das Buch vom Verlag zum Rezensieren zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat jedoch keinen Einfluß auf meine Meinung.