Mimo nimmt heute seinen Job als Mitbetreiber dieses Blogs sehr ernst und liegt auf meinem Schoß. Das ist auch sehr gut nachvollziehbar, denn wir brauchen heute alle ein bisschen Pause vom Tun. Egal, ob unser Hausbau, der gerade in den Countdown geht, die Pferde, die nun passend zu den heißen Temperaturen bewegt und versorgt werden wollen, der Arbeit oder unser Garten – alles lässt uns Wirbeln.
Gestern war ich dann noch den ganzen Samstag in Frankfurt auf Fortbildung (bei den Massen an Menschen im Bereich des Bahnhofs/ Kaiserstraße und der überfüllten S-Bahn, wundere ich mich, dass nicht ganz Frankfurt an Corona erkrankt ist). Heute fühle ich mich ein wenig, als hätte man mir den Stecker gezogen. Deshalb habe ich alle Arbeit geschoben, zu den Pferden fahre ich erst gegen Abend.

Und diese kleine Zeitoase möchte ich nutzen, Euch mal wieder an Allem teilhaben zu lassen.

Der erste Beitrag ist ein kleines Landleben- und Garten-Update.

Das ist schon Wahnsinn, was alles wächste und gedeiht. Wir hatten einen unglaublich tollen Beeren-Frühsommer: Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren – alles in Hülle und Fülle und geschmacklich sehr aromatisch und ausgewogen. Nur unsere Heidelbeeren wollen dieses Jahr einfach nichts werden. Die Sträucher sind überschaubar bestückt und die Früchte reifen nicht wirklich gut heran.

Dafür breitete uns unser Rhabarber große Freude. Wir haben ihn letztes Jahr vom Baustellengelände gerettet und umgesiedelt. Einen jungen, kleinen Roten und einen älteren Grünen. Der grüne Rhabarber findet seinen neuen Standort in der Nachbarschaft zu den Stachel-, Johannis- und Himbeeren gigantisch. Und so gigantisch war auch sein Ertrag in diesem Jahr. Der kleine ist inzwischen auch zu einem stattlichen Kerlchen geworden, der noch überlegt, wie ihm die diesjährige Gesellschaft von Kohl und Chili gefällt.

Wie immer ganz wunderbar gedeihen die Bratpaprika, Möhren, Gurken, Zucchini, Kürbisse. Wir haben einen Kürbis, der sich selbst ausgesät hat – ein Hokkaido an der Terrasse im Lilienbeet… Er fühlt sich sehr wohl und hat schon sechs große Früchte ausgebildet. Sehr zur Irritation unserer Lilien. Auch gigantisch groß sind unsere Melden. Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal eine grüne Melde herangezogen. Allerdings finde ich sie geschmacklich nicht so interessant, wie die rote Melde.

Mir fällt gerade auf, dass ich eine Pflanze noch gar nicht erwähnt habe, und dass, obwohl sie unseren Garten in diesem Jahr dominiert… die Tomate. Es heißt ja immer, man soll von jedem Saatgut etwas mehr aussäen, weil man nie sicher sein kann, dass alle Körnchen aufgehen. Das bedeutet, ich habe je Tomatensorte in diesem Jahr immer zwei Kerne ausgesät. Da mir eine Freundin ihre Saattütchen vermacht hatte, waren es über 30 Sorten – mit dem Ergebnis, dass wir nun 61 Tomatenpflanzen im Garten haben. Ich konnte sie doch nicht wegwerfen! Und es wollte in unserem Umfeld auch keiner welche haben…

Sie stehen in Gewächshäusern, unterm Dach und einige auch im Freiland. Durch den trockenen Sommer funktioniert das ganz gut. Die ersten Tomaten werden gerade reif und ich fürchte, die alljährliche Zucchinischwemme wird ein Witz gegen unsre kommende Tomatenschwemme sein.

Neue Bewohner gibt es auch! Erfreulicherweise hat das Anlegen eines vogelfreundlichen Gartens unter zuhilfenahme entsprechender Literatur wunderbar funktioniert. Die Sträucher wachsen unheimlich gut. In Kombination mit Wasser- und Futterstellen, Brutstätten und Insekten ist es uns gelungen, aus diesem „toten Ort“, den wir übernommen hatten, ein Vogelparadies zu machen. Es tummeln sich Amseln, viele Schwalben, Sperlinge, Finke bei uns. Außerdem ein Wiedehopf – ein ganz wunderschönes Kerlchen -, Tauben, Elstern, Krähen, Rotkehlchen. Ich bin schwer begeistert.

Seit 14 Tagen etwa wohnt auch ein Igel in unserem Garten. Seine Trink- und Futterstation steht nun im großen Gewächshaus. Wir haben ihn Gisbert getauft und freuen uns unglaublich über diesen unerwarteten Zuwachs, mitten im Dorf.

Überhaupt nicht gedeihen wollen Bohnen und Erbsen. Der erste Satz wurde von den Blattläusen zerstört, der zweite bildet keine schönen Bohnen/ Erbsen aus. Woran es liegt, weiß ich bisher nicht so genau. Ebenfalls schwer hatten es in den letzten Wochen meine gliebten Auberginen. Denn die Kartoffelkäfer-Larven, die eine regelrechte Invasion darstellen, lieben Auberginen-Blätter. Wir sammeln sie regelmäßig ab, natürlich auch von den Kartoffeln. Aber der Schaden ist dieses Jahr immens. Dennoch gab es vorgestern einen Eintopf auf Mangold und frischen Kartoffeln mit pochierten Eiern. Wirklich empfehlenswert!

Der Knoblauch musste früher als erwartet aus dem Beet. Frühjahr und Frühsommer waren so warm und trocken, dass ich ihn schon vor drei Wochen rausholen musste. Das Ergebnis ist okay, aber durchaus nicht so schön, wie ich es mir erhofft hatte. Einige Knollen sind geplatzt. Dafür sind die Zwiebel sehr viel schöner. Die liegen heute noch zum Trocknen, dann werden sie eingelagert.

Ganz toll finde ich zwei alte Gemüsesorten, die ich derzeit ausprobiere: Haferwurzel und Kerbelrübe. Die Haferwurzel wächst noch fleißig vor sich hin. Zur ihr kann ich geschmacklich noch nicht allzu viel sagen. Aber die Kerbelrübe gehört inzwischen zu meinem Lieblingsgemüse. Sie schmeckt gekocht wie eine Mischung aus Maronen und Haselnüssen. Ich bin hin und weg!

Es gibt noch soviel Gemüse in unserem Garten, von dem ich heute gar nicht berichtet habe (meine geliebte Rote Bete, zum Beispiel)! Und ich habe Euch auch noch nie darüber geschrieben, was ich mit all der Ernte anstelle. Würde ich das interssieren? Ein kleiner Rezeptvorschlag wäre hier ein Sirup aus Rhabarber und Rosmarin. Daraus lässt sich eine fantastische gekühlte Limonade aufgießen.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen Juli und ein gutes Überstehen der Hitze, die nächste Woche auf uns zukommen wird.

Herzlichst,

Mimo und Babsy