• Werbung, da Rezensionsexemplar

DAS ist mein bisheriges Jahreshighlight! Oh, liebe ich dieses Buch! Es hat so einfach alles, was ich brauchte, um in einem Buch ganz tief zu versinken. In einem Buch, das für mich sogar eher ein Herbstbuch wäre. Doch mit dieser Geschichte tauchte ich so tief in dessen Atmosphäre ein, dass ich gar nicht mehr wahrnahm, wie heiß es in den letzten Wochen dieses Sommers war!

Ich könnte mich vor Begeisterung beim Schreiben überschlagen und muss erst einmal Luft holen. Also von vorne:

Wir beginnen in London im Jahr 1835. Dort bringen die Kaufleute immer mehr neue Gewürze und exotische Früchte ins Land. Doch bisher weiß keiner so recht, was man mit all diesen spannenden, neuen Zutaten tun könnte. In dieser Zeit wird Eliza Acton aufgefordert, ein Kochbuch zu schreiben, anstatt weiterhin ihre Gedichte verlegen zu wollen. Zunächst gekränkt und völlig unerfahren in der Küche, beginnt sie aus der finanziellen Not der Familie heraus, sich das Kochen beizubringen. Dabei hilft ihr die mittellose Ann Kirby, die ebenfalls aus finanzieller und familiärer Not heraus dringend Arbeit sucht. Die beiden werden Freundinnen, obwohl ihr beider Stand dagegen spricht. Aus dieser Freundschaft und Arbeit heraus entsteht ein Kochbuch, das die Kunst des Kochens für immer verändern wird.

Wichtig zu wissen, ist, dass der Roman auf einer wahren Begebenheit beruht. Eliza Acton war wirklich eine tüchtige Frau, die das erste morderne Kochbuch schrieb. Man kann es sogar heute noch kaufen. Ich hatte erst überlegt, ob ich mir ein Exemplar besorge, war allerdings von den Gerichten selbst nicht so angetan. Die Zeiten waren damals anders.

Was für mich diesen Roman so besonders gemacht hat, ist die Fähigkeit der Autorin, Gerüche lebendig werden zu lassen. Schon zu Beginn des Romans fühlte ich mich wie auf dem Markt in Paris, auf dem Jean-Baptiste Grenouille im Dreck zwischen toten Fischen geboren wurde. Ebenso wie in dem Roman „Das Parfum“ von Patrick Süskind, schafft es Annabel Abbs in ihrem Roman, dass ich den Dreck, den Gestank in heißen Straßen Londons riechen konnte. Und dieses „das Buch riechen“ können, zog sich durch den Roman. Erfreulicherweise im Anschluss an die Anfangsszene mit deutlich angenehmeren Gerüchen.

Was mir ebenfalls gut gefiel, war die Beschreibung der weiteren Figuren im Roman. Sie alle waren gut dargestellt, wenn auch meist nicht wirklich nette Zeitgenossen. Da gibt es Ann Kirbys verrückte Familie mitsamt ihrem überheblichen Bruder, der es als angehender Koch gar nicht so weit zu bringen scheint, wie er immer behauptet. Oder Miss Elizas Mutter, die immer zwischen der Sorge um das Ansehen der Familie und ihrem Mutterherz hin und her gerissen scheint. Es gibt aufdringliche männliche Gäste und wegblickende weibliche Damen, ein aufsessiges Dienstmädchen und einen gar nicht so heiligen Pfarrer.

Ich habe mich grandios unterhalten gefühlt und denke darüber nach, noch einen anderen Roman von der Autorin zu lesen.

Miss Elizas englische Küche erschien im btb Verlag als Taschenbuch für € 12,00. Es ist ebenfalls als ebook erhältlich. Aus dem Englischen wurde es übersetzt von Michaela Meßner.

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