Werbung, da Rezensionexemplar

Im Klappentext stand etwas von „Locked-Room-Thriller“ – ich hatte zwar eine Vorstellung davon, was dies bedeuten soll, hatte aber bisher noch keinen Locked-Room-Thriller gelesen. Das klang spannend: Keiner kann weg, ein Mörder treibt womöglich sein Unwesen, im ewigen Eis, Hilfe ist nicht in Aussicht. Also freute ich mich sehr, dass mir der Knaur-Verlag das Buch zum Rezensieren anbot.

Die Notärztin Kate North hat eine schwierige Krise. Nichts in ihrem Leben stimmt mehr, sie ist von Ängsten und Schuldgefühlen zerfressen. Da kommt es ihr gelegen, dass auf einer UN-Forschunsstation in der Antarktis ein neuer Stationsarzt benötigt wird, da der alte – Jean-Luc – auf tragische Weise ums Leben gekommen ist. Also bewirbt sich Kate und ist selbst überrascht, dass sie ausgewählt wird, um die Stelle zu besetzen. Kate kommt mit dem vorletzten Flug vor dem Winter in der Station an. Kurze Zeit später ist das dreizehnköpfige Team auf sich gestellt. Nach und nach scheint jedes Crewmitglied unter den Bedingungen des eingeschlossen Seins und der wenigen Möglichkeiten, sich abzulenken, mit seinen eigenen Dämonen konfrontiert. Durch Streitgespräche und angespannte Nerven schnappt Kate immer mehr Bruchstücke über Jean-Lucs Tod auf und beginnt zu ahnen, dass dieser wohl gar kein Unfall war. Sie beginnt zu recherchieren und bringt sich dabei selbst in Gefahr…

Ich finde es etwas schwierig, das Buch zu bewerten. Den Plot fand ich super und ich wusste bis zum Schluss nicht, welches Ende mich erwarten wird. Dafür gib es Lob und dafür hat es sich auch gelohnt, das Buch zu lesen. Allerdings gab es einige Dinge, die mich störten.

Am meisten missfiel mir, dass sich die Autorin immer mal wieder sehr unglücklich ausdrückte. Und ich glaube auch, dass das dem Lektorat hätte auffallen müssen. Zum Beispiel gibt es eine Beschreibung, als Kate die anderen kennenlernt, die da lautet: „Vom Wildfang hat sie immer noch einiges an sich, sie trägt kaum Make-up, immer dasselbe alte Sweatshirt und weite Latzhosen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie hetero ist“ Bitte? Was sind das denn für Gedankengänge? Ist es überraschend, dass eine Frau hetero ist, wenn sie dieser Beschreibung des Äußeren entspricht? Da war ich doch etwas sehr überrascht. Und es geht noch weiter. Gleich im Anschluss erfahren wir: „Alice hingegen, die so zart und feminin ist, wie man es sich nur vorstellen kann, ist eindeutig lesbisch.“ Sorry, aber das ging für mich gar nicht und ich hatte kurz überlegt, ob ich das Buch überhaupt weiterlese, weil ich diese Klischees weder ertragen habe, noch verstehen konnte. Ich habe hier auch nur deshalb weiter gelesen, weil ich das Buch zur Verfügung gestellt bekam und ich wirklich dankbar bin für Bücher, die ich rezensieren darf. Da ich das ernst nehme, nehme ich mir auch Zeit, etwas weiterzulesen, was ich unter anderen Umständen abgebrochen hätte.

Etwas später im Buch, wird eine Szene beschrieben, die ich wenig glaubwürdig fand. Kate hat einen Konflikt mit ihrer Vorgesetzten. Und im Anschluss daran hat sie sich noch nie in ihrem Leben so einsam gefühlt wie in diesem Moment. Hm. Das fand ich sehr dick aufgetragen. Das war insgesamt das Problem mit Kate. Sie ist keine reife Person. Wie man so jemanden auswählt, um ihn auf eine UN-Mission zu schicken, wo Menschen über Monate auf sich gestellt sind, ist mir ein Rätsel. Und wie sie es schaffen soll, in ihrer teenagerhaften Art den Ereignissen, die sich dort auf der Station in der Antarktis ereignen, zu begreifen, erschließt sich mir nicht.

Ich bin sogar hergegangen und habe mir das Buch im Englischen angesehen, weil ich wissen wollte, ob es sich womöglich um Übersetzungsfehler handelt. Mitnichten. Die Übersetzerin Cornelia Röser hat gute Arbeit geleistet.

Ich bin zum dem Schluss gekommen, dass das Problem darin liegt, dass Emma Haughton bisher Jugendromane schrieb. Kate ist eine Jugendliche. Und auch der Umgang der Crew erweckt häufiger den Eindruck, man hätte eine Gruppe 17jähriger eingesperrt, die jetzt nicht miteinander klarkommen und sich gegenseitig das Leben schwer machen.

Mein Fazit: Wenn man über die beschriebenen Schwächen hinweg sehen kann und vielleicht auch generell eher Jugendromane liest, wird einem das Buch bestimmt gefallen. Wie erwähnt, war der Plot sehr gut und es wurde richtig spannend und der Thriller gewann an Tempo. Für mich passte letztlich zu Vieles nicht und ich denke, ich werde kein weiteres Werk von Emma Haughton lesen.

Der Thriller erschien, wie erwähnt, im Knaur Verlag und kostet als Paperback €15,99. als ebook €12,99.

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