Buchwunder

[Rezension] Gerhard Jäger – Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

Auf das Erscheinen dieses Romanes hatte ich lange gewartet, nachdem ich ihn in einer der Verlagsvorschauen für dieses Jahr entdeckt hatte. Das Cover und der Titel hatten mich neugierig gemacht und als ich dann den Klappentext las, wusste ich: Dieses Buch werde ich lesen wollen!

gerhardjaegerVerlagsinformation.

Ein sprachgewaltiger Roman über eine unerfüllte Liebe, einen ungeklärten Mord und eine spannende Spurensuche.

Im Herbst 1950 kommt der junge Wiener Historiker Max Schreiber in ein Tiroler Bergdorf, um einem alten Geheimnis auf den Grund zu gehen. Konfrontiert mit der archaischen Bergwelt und der misstrauischen Dorfgemeinschaft, fühlt er sich mehr und mehr isoliert. In seiner Einsamkeit verliert er sich in der Liebe zu einer jungen Frau, um die jedoch auch ein anderer wirbt. Als ein Bauer unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt, ein Stall lichterloh brennt und der Winter mit ungeheurer Wucht und tödlichen Lawinen über das Dorf hereinbricht, spitzt sich die Situation dramatisch zu. Schreiber gerät unter Mordverdacht und verschwindet spurlos – nur seine Aufzeichnungen bleiben zurück.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später will ein alter Mann endlich die Wahrheit wissen. Von seinen eigenen Schatten verfolgt, begibt er sich auf die Spurensuche in die Vergangenheit.

Raffiniert, voller Rhythmus und Poesie erzählt Gerhard Jäger von der magie, aber auch von der Brutalität eines Ortes, der aus Raum und Zeit gefallen scheint.

Wenn man den Klapptentext so liest, könnte man glauben, es handle sich um einen Kriminalroman. Doch nein – soweit würde ich nicht gehen. Denn ich lese ja selten Kriminalromane oder Thriller. Sollten sich allerdings künftig eben diesen beiden Genres einer solchen Sprach- und Bildgewalt bedienen, wie es Gerhard Jäger in seinem Roman um das Tiroler Bergdorf gelang, werde ich zum neuen Freund beider Genres!

Von Beginn an, war ich sehr beeindruckt von der Fähigkeit des Autor, mir das Gefühl zu vermitteln, mich an dem Ort des Geschehens zu befinden. Gekonnt beschreibt er düster und beklemmend die Kraft der winterlichen Natur in den Bergen. Vor allem die Bedrohlichkeit der Lawinen hat mich atemanhaltend weiterlesen lassen. Doch auch die Naturbeschreibungen, während Max Schreiber erstmal alleine in den Bergen umher geht und von einem heftigen Starkregen erwischt wird, war wunderbar beschrieben. Mit viel Poesie gelang es hier dem Autor, mich selbst ganz durchnässt fühlen zu lassen.

Abgesehen von der sprachlichen Kraft des Romans hat mir auch die Handlung sehr gefallen. Es gibt wohl Stimmen, die den Plot etwas zu vorhersehbar fanden. Dem kann mich allerdings nicht wirklich anschließen. Ich erwarte nun auch nicht zwingend, dass mich die Handlung eines Buches aufgrund von überraschenden Wendungen aus der Bahn wirft.

Beide Figuren, Max Schreiber und auch der alte Mann, der sich auf die Suche nach der Wahrheit macht, sind zudem gut skizziert. Ich mochte vor allem die Figur des alten Mannes, dem ich mich schon zu Beginn des Romans verbunden fühlte, ohne zu wissen warum. Er war so lebensweise, so ruhend und doch so aufgewühlt zugleich. Er war getrieben vom Ankommen, würde ich fast sagen. Das hat mir gut gefallen.

Habt Ihr einen Kamin? Dann packt Euch Feuerholz rein und lest dieses Buch! Aber auch, wenn Ihr keinen Kamin habt, das Buch ist für Winterlesestunden geschaffen!

Es ist im Blessing Verlag erschienen, kostet gebunden €22,90, als ebook €18,99. Es gibt auch ein Hörbuch, allerdings in gekürzter Version, gelesen von Peter Matic und Manuel Rubey.

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3 Kommentare zu „[Rezension] Gerhard Jäger – Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

  1. Liebe Mina,
    eine sehr schöne Besprechung hast du hier geschrieben! Mir ist das Buch neulich schon einmal begegnet, es machte mich neugierig – und doch hatte ich den Titel schon wieder vergessen. Nun, nach deinen Zeilen, weiß ich wieder, warum das Buch meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Wie du lese ich nur sehr selten Krimis oder Thriller (zumindest wenn es sich bei den Thrillern um reine Ermittlungs- oder gewaltfokussierte Geschichten handelt), doch wie sich dieser Mann in die „archaische Bergwelt und misstrauische Dorfgemeinschaft“ einfügt, welche Geheimnisse lauern und wie diese Dorfgemeinschaft und die Natur beschrieben werden, darauf war ich sehr gespannt. Nun heißt es für mich: Ran an die Leseprobe, auch wenn ich nach deinem Artikel sehr sicher bin, dass mich die Atmosphäre des Romans packen wird. Hoffentlich vergesse ich den Titel nicht wieder 😉

    Liebe Grüße
    Kathrin

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